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Gemeinde Grefrath: Alle mögen Schulhund Dino

Gemeinde Grefrath : Alle mögen Schulhund Dino

In der vergangenen Woche hat der sieben Monate alte Australian Shepherd seine Ausbildung begonnen. Er ist bereits der erklärte Liebling von Schülern und Lehrern. Im Unterricht sorgt er für mehr Ruhe und Motivation.

Dino ist erst sieben Monate alt, besucht aber bereits die Grefrather Sekundarschule. Das tut er gemeinsam mit seinem Herrchen Kevin Rzepkowski (26). Der ist Lehrer, Dino ist Schulhund. Zum verabredeten Termin sind beide gerade noch unterwegs, Gassi gehen. Auch Schulhunde haben halt so ihre Bedürfnisse.

Der Australian Shepherd kam schon als Welpe zu Rzepkowski und hat zu Beginn des Schuljahres mit seiner Ausbildung zum Schulhund begonnen. Die umfasst vier Module und dauert ein Jahr. Als erstes muss geklärt werden, ob ein Hund überhaupt charakterlich für die Schule geeignet ist. Er muss plötzliche Geräusche vertragen, Lärm ignorieren und auch bei größeren Gruppen die Ruhe bewahren. Das alles kann Dino, er ist völlig stressresistent. Ständig kommen Schüler vorbei, jeder mit einem fröhlichen "Hallo Dino" auf den Lippen. Der Hund nimmt's zur Kenntnis, bleibt aber liegen. Der "Down-Befehl" von Herrchen ist noch nicht aufgehoben. Am Ende gibt es natürlich ein Leckerli, Belohnung muss sein.

Rzepkowski ist seit einem Jahr Lehrer und unterrichtet die 6 d, eine Inklusionsklasse. Er erteilt die Fächer Biologie, Geschichte, Kunst, Deutsch und Mathe. Ist Dino im Unterricht dabei, hat er es als Lehrer leichter, die Aufmerksamkeit der Schüler ist deutlich höher. Im Matheunterricht würfelt Dino Zahlen, mit denen die Kinder dann rechnen - und zwar mit deutlich erhöhter Motivation. Auf den Befehl "Dino, mach einen Bruch", fallen zwei Zahlenwürfel, mit denen die Sechstklässler Bruchrechnen üben.

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Im Deutschunterricht müssen sich die Schüler nicht mit wenig prickelnden Bildbeschreibungen abgeben. Sie beobachten Dino und schreiben auf, was er so alles treibt. Ist Dino mal müde, legt er sich einfach in seine Box im Klassenzimmer. Und wehe, der Lehrer vergisst, den Wassernapf zu füllen - da passen die 22 Schüler penibel auf.

Erste Voraussetzung für die Einstellung Dinos als Schulhund war die Zustimmung der Eltern, und die hatten keinerlei Bedenken. Schulleiterin Helmi Röhrig war von Anfang an begeistert, sie ist von der therapeutischen Wirkung des Vierbeiners überzeugt: "Ein Therapiehund fördert mit Sicherheit die emotionale Intelligenz, sorgt für mehr Ruhe, Rücksichtnahme und Motivation im Klassenzimmer." Das sieht auch das Kollegium so und stimmte dem Vorhaben per Konferenzbeschluss zu. Und alle sind begeistert von den Fortschritten, die Dino macht, wie schnell er lernt. Hält Rzepkowski ihm auf der ausgestreckten Hand ein Leckerli hin und sagt "No", rührt Dino den Leckerbissen nicht an. Erst beim Kommando "Get it" lässt er sich die kleine Zwischenmahlzeit munden. Beim morgendlichen Mahl daheim hatte Rzepkowski einmal das "Get it" vergessen, ging ins Bad und duschte. Als er wieder in die Küche kam, hatte Dino seinen gefüllten Napf noch nicht angerührt.

Zu Haus trägt Dino ein normales Halsband: Dann weiß er genau, dass Tollen und Spielen angesagt sind. Geht er zur Schule, trägt er ein Geschirr. Dann weiß er wiederum, dass es zur "Arbeit" geht und er sich anders zu benehmen hat. Dino ist nicht den ganzen Tag in der Schule, das wäre zu anstrengend. Freunde und Bekannte holen ihn zwischendurch ab. Und wenn er in der Schule eine Auszeit braucht, zieht er sich gern in das Büro von Schulsekretärin Helga Heesen zurück, wo er eine große Box stehen hat. Hier ist er immer willkommen: "Dino bringt einfach frischen Wind in die Schule, ich habe ihn sehr gerne um mich", sagt die Sekretärin. Dinos Lieblingsfach ist übrigens Kunst, da moppst er gern einmal den einen oder anderen Pinsel.

Wie kam Kevin Rzepkowski auf die Idee, aus seinem Dino einen Schulhund zu machen? "Im Studium habe ich Nachhilfe gegeben und hatte die Hunde meiner Eltern dabei. Die Schüler lernten dann einfach besser", sagt er. Dino muss auch noch lernen, die weiteren Module und dann 64 Fortbildungsstunden pro Jahr. Aber eigentlich schon hat er schon jetzt ein so dickes Fell, dass er den Schulalltag mühelos bewältigen kann.

(RP)