Albanisches Ensemble in der Kempener Paterskirche

Reihe Weltmusik : Ein gesungenes Weltkulturerbe

Das albanische Ensemble „Sazet e Permetit“ präsentierte in der Kulturreihe „Weltmusik“ Mehrstimmiges in der Kempener Paterskirche.

Auf „Dorfmusik“ oder auch „Familienmusik“ aus dem Süden Albaniens stimmte der Musiker und Musikwissenschaftler Bledar Kondi in seiner Einführung das Publikum beim Konzertabend ein. Der Klangkosmos NRW bot den Gästen in der Kempener Paterskirche mit dem Ensemble „Sazet e Permetit“ ein ungewohntes Konzerterlebnis. Hinter dem Titel des Programms „(Mehr)Stimmiges aus Südalbanien“ verbarg sich eine mehr als 200 Jahre alte Musiktradition, die auf dem Land, in den Dörfern entstand und heute dort noch lebendig ist. Die Themen der Lieder und instrumentalen Stücke sind dem Alltagsleben entnommen und sie spiegeln den Lebenszyklus mit seinen freudigen und traurigen Ereignissen wider. Die Musik ist nicht schriftlich überliefert, sondern sie wird in den Familien weitergegeben.

Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass Brüder und Cousins gemeinsam musizieren. Das Ensemble aus dem kleinen Ort Permetit macht da keine Ausnahme: Alban Zeqiri (Gesang und Rahmentrommel), Sadik Zeqiri (Klarinette), Fredi Daci (Laute), Ylli Muco (Akkordeon) und schließlich noch Artur Zeqiri mit seiner Geige.

Musizierend ziehen die fünf Musiker in der weißen traditionellen Kleidung in die Paterskirche ein. Einige singen auch zum Spiel der Instrumente; es sind heitere Töne, die erklingen. Dann übernimmt der Klarinettist die führende Rolle bei den Instrumenten und der Trommler die erste Stimme beim Gesang. Die anderen Musiker bieten neben ihrem Instrumentenspiel Alban Zeqiri zusätzlich noch einen gesanglichen Gegenpart mit lang gehaltenen Tönen, die nur einen kleinen Tonraum abdecken. Mehrere aufeinander abgestimmte Haltetöne bilden die gesangliche Begleitung. Mit diesen lang gehaltenen Tönen lassen sich auch noch zusätzlich rhythmische Akzente in die Musik bringen.

In der klassischen Musik ist diese Form der Begleitung als Bordun-Ton beispielsweise beim Orgelspiel bekannt. Als sogenannte „Iso-Polyphonie“ hat diese Gesangstradition aus dem südlichen Albanien 2008 sogar den Status als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco erhalten – Weltkulturerbe live in der Paterskirche!

Die traurigen Momente des Alltagslebens werden auch ohne weitere Moderation des Konzerts deutlich. Die Geige beginnt ein Klagelied, die Klarinette greift die Stimmung auf und es entsteht ein trauriger Dialog zwischen den beiden Instrumenten. Ein kleines Solo des Klarinettisten steigert sich bis zum Aufschreien und zur Verzweiflung. Aber daraus entwickelt sich ein langsamer tänzerischer Rhythmus, der die Situation entschieden freundlicher werden lässt.

Bei einem anderen Stück entdeckt das Publikum sogar einen Schunkelfaktor in der albanischen Musik und man sieht ein leichtes Hin- und Herwiegen in den Reihen. Virtuosität bietet auch der Geiger. Es sind andere Klangfarben als bei der klassischen Geige, die er seinem Instrument entlockt. Voller Leidenschaft und Spannung spielt er, dann meint man echtes Vogelgezwitscher zu hören und schließlich führt es zu einem fröhlichen Tanz, bei dem mit geklatscht werden darf.

Ein anderes Stück lässt erkennen, dass Albanien geographisch zwischen verschiedenen Kulturen liegt. Ein musikalischer Dialog zwischen Geige und Laute kommt recht orientalisch daher, aber die Klarinette rückt das Stück wieder musikalisch zurück auf den Balkan. Voller Temperament und Lebensfreude ist ein anderes Stück mit Gesang, das sich als Liebeslied entpuppt. Das Publikum lässt sich gerne mitreißen. Zum Abkühlen gibt es dann ein melancholisches Kontrastprogramm.

Mit einem Hochzeitslied, in dem man sich beim Bräutigam für die Einladung bedankt und dem zweiten Teil, einem Loblied auf die Braut nähert sich der Auftritt des Ensembles seinem Ende. Die albanische Musik hat sicherlich neue Freunde gefunden, wie es die Begeisterung und das Mitmachen des Publikums zeigt.

Eine weitere Moderation als nur die kurze Einführung hätte dem Konzert jedoch gut getan.

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