Grefrath: Abfahrt ins Achtzigste

Grefrath : Abfahrt ins Achtzigste

Ein Ur-Grefrather wird 80 Jahre alt. Am Freitag feiert Herbert Ackermann den runden Geburtstag in seinem Geburts- und Wohnort. Und Platt wird dann selbstverständlich auch gesprochen.

Wenn das klickende Geräusch der Kunststoffschnallen im Flur beim Grefrather Ehepaar Ackermann ertönt, dann geht es wieder los: Herbert Ackermann macht sich fertig für seine tägliche Runde auf den Inlinern. „So sportlich bin ich ja gar nicht mehr. Aber das Inlinern gehört einfach dazu. Wie auch das Schlittschuhlaufen und das Skilaufen. Abfahrt versteht sich“, schmunzelt der noch 79-Jährige. Diese Kombination hält anscheinend nicht nur beweglich, sondern auch jung. Denn dass der Grefrather morgen seinen 80sten Geburtstag feiert, sieht man ihm in keiner Weise an.

Nie geraucht, nie getrunken, immer Sport getrieben und Glück gehabt, das sei sein Geheimnis, scherzt Ackermann, der in Grefrath bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Wenn der Name Ackermann fällt, dann prompt auch ein Begriff: die Mundart. „Platt war meine erste Fremdsprache, ich bin damit aufgewachsen und es ist sozusagen mein Steckenpferd“, verrät Ackermann. Das spiegelt sich in drei wuchtigen Büchern wieder: Das Grefrather Mundart-Wörterbuch. Das bekannte dreibändige Werk stammt aus seiner Feder. „15 Jahre Arbeit stecken darin. Ich wäre bestimmt immer noch dran, wenn der Landschaftsverband nicht ein Stopp eingelegt hätte“, plaudert der Grefrather aus dem Nähkästchen. Über 50.000 Wörter und Begriffe sind in den Büchern zu finden. Ein Wörterbuch, wie es seinesgleichen sucht. Aber schon zuvor unterhielt Ackermann mit Platt. Zusammen mit dem Grefrather Heimatverein hat er die CD „Di Biievaart no Keävele“ herausgebracht. Anekdötchen rund um eine Wallfahrt nach Kevelaer unterhalten hier den Zuhörer. Ackermann hat aber auch an die jüngeren Leser gedacht und im vergangenen Jahr die Streiche von Max und Moritz in Mundart übersetzt.

Und sein neuestes Werk, das ab Dienstag käuflich erworben werden kann, trägt den Titel „Lieder, Sprüche, Rätsel und Reime aus Grefrath“. Hier habe er allerdings nur altbekanntes und teilweise fast vergessenes zusammengetragen, verrät Ackermann. Zudem gibt eine CD, die er zum Teil sogar selber besungen hat und auf der die eigenen Kinder und Enkelkinder ebenfalls zu hören sind. Alles in Platt versteht sich. Und in seinem Kopf nimmt schon ein neues Werk Gestalt an. „Ich habe vor Redensarten, Sprichwörter und Wetterregeln zusammenzustellen“, blickt der Grefrather in die Zukunft. Das könne aber noch etwas dauern, denn er sei ein unordentlicher Mensch und habe Schwierigkeiten alles richtig zu ordnen, gibt der Autor freimütig zu.

Das es den Rheinlandtaler als Auszeichnung gab und er die Mundart mit seinen Werken ein stückweit vor dem Aussterben rettet, davon will der ehemalige Berufschullehrer und Studiendirektor nicht viel wissen. Es ist einfach das Platt, dass ihm am Herzen liegt. Und so gehört, wenn morgen im Kreis der Familie Geburtstag gefeiert wird, Platt einfach dazu.

(RP)
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