Kamp-Lintfort: Zehntklässler lernen das Handwerk kennen

Kamp-Lintfort : Zehntklässler lernen das Handwerk kennen

Handwerksmeister stellten gestern beim Meistertag den Gesamtschülern der zehnten Klasse zwölf Ausbildungsberufe vor. Die meisten Schüler wollen aber zunächst das Abitur ablegen.

"Irgendwann sollte man sich festlegen, auch wenn es bei mir selbst spät war." Andreas Wiesner beantwortete die Frage einer Schülerin, wann er sich für seinen Beruf als Optiker und Hörgeräteakustiker entschieden habe, gestern so, wie viele der 160 Gesamtschüler der zehnten Jahrgangsstufe sie später vermutlich auch beantworten werden. Denn sie wollen im Sommer 2015 den Mittleren Abschluss ablegen, um anschließend die Unesco-Gesamtschule drei Jahre bis zum Abitur zu besuchen. Das war ein Ergebnis des Meistertages, zu dem diese Schule zusammen mit der Handwerkskammer Düsseldorf zum neunten Mal eingeladen hatte.

Zunächst hatten die Schüler zwei Filme gesehen, die die Handwerksberufe als "angesagt" darstellten. Dann hatten sie eine Begrüßung durch den Schulleiter Jürgen Rasfeld gehört und drei Grußworte. Diese hatten alle den Tenor, den Beigeordneter Dr. Christoph Müllmann so formulierte: "Handwerk wird immer gebraucht." Doch bundesweit stellen sich Jugendliche ihre Zukunft nicht im Handwerk vor, wie Siegfried Schrempf als Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf unterstrich. Laut einer Umfrage stünden Polizei und Bundeswehr, Mercedes und Volkswagen ganz oben auf der Liste der präferierten Ausbildungsstätten.

Schließlich sind diese Berufe sicher und relativ gut bezahlt. Sicherheit und Bezahlung scheinen auch bei den Unesco-Gesamtschülern hoch im Kurs zu stehen. Das zeigte sich nach der Einführung, als sie sich in 14 Gruppen aufteilten, die jeweils von einem Handwerksmeister, einem Lehrer und einem Vertreter der Agentur für Arbeit oder einem weiteren Handwerksmeister geleitet wurden. Immer wieder fragten Schüler nach dem Gehalt, das während der Ausbildung und später verdient wird. "Im ersten Jahr sind es 500 Euro, im zweiten 610 und im dritten 720", berichtete zum Beispiel Andreas Wiesner. "Als Geselle sind es 1800 Euro im Monat." Ein Schüler wollte wissen: "Ist das Brutto oder netto?" Der Augenoptikermeister sagte, von diesem Brutto-Betrag sei noch etwa ein Drittel abzuziehen, so dass rund 1200 Euro übrig blieben. "Das ist keine Riesengage", sagte der 53-Jährige.

"Aber ein guter Geselle kann sich qualifizieren und spezialisieren. Dann kann er auch 2500 Euro brutto im Monat verdienen." Die Mehrzahl der Schüler haben jedoch erst das Abitur im Visier und wollen erst dann eine Ausbildung beginnen. "Ein Drittel der Bewerber hat bei den Optikern heute das Abitur", sagte Wiesner. "Zwei Drittel haben die Mittlere Reife. Schließlich sei es ein Beruf, der immer anspruchsvoller werde. Die Handwerkskammer Düsseldorf und Brigitte Windeln von der Unesco-Gesamtschule haben den Meistertag organisiert. Erstmals war auch die Agentur für Arbeit eingebunden, die u durch den Bereichsleiter Damian Janik präsent war. 17 Handwerksmeister beteiligten sich an dem Tag, von denen gut die Hälfte aus Kamp-Lintfort kamen. Die Schüler hatten sich auf diesen Tag gut vorbereitet.

(got)