Kamp-Lintfort: Wenn Nessi auf der singenden Säge spielt

Kamp-Lintfort : Wenn Nessi auf der singenden Säge spielt

Kabarettistin Nessi Tausendschön gastierte mit Songs aus ihrem Programm "Knietief im Paradies" in Kamp-Lintfort.

Für viele ist sie die "Frau mit der singenden Säge", andere kennen sie eher als beschwipsten "Rauschgoldengel" oder als komisch-naive "Gabi Pawelka" auf der Suche nach einem "herrlichen Gatten". Gemeint ist Nessi Tausendschön, eine der seit Jahren schillerndsten Künstlerinnen der deutschen Kabarettszene. Sie und ihr neuer musikalischer Begleiter, der kanadische Gitarrist und Komiker William Mackenzie waren am Freitag im Rahmen des städtischen Theaterangebots in der Kamp-Lintforter Stadthalle mit einem Best-off ihrer letzten Auftritte und einer Songauswahl aus ihrem neuesten Programm "Knietief im Paradies" zu Gast. Natürlich ist "Nessi Tausendschön" nicht ihr richtiger Name.

Den hat sich die gelernte Zierpflanzengärtnerin und spätere Studentin der Germanistik und Theaterwissenschaften erst 1989 für ihr erstes kabarettistisches Solo-Programm "Ich sing dir in die Ohren, Kleines" zugelegt. Seither hat sie unter diesem Namen unzählige Kabarettpreise eingeheimst, darunter den renommierten "Salzburger Stier" und den Jury-Preis des Berliner Kleinkunstfestivals "Die Wühlmäuse". Die singende Säge ist dabei bis heute ihr bevorzugtes Instrument geblieben. Begleitet von William Mackenzies Gitarre untermalte sie damit auch an diesem Abend einen großen Teil ihrer Lieder.

So zum Beispiel ein Lied über die "neue deutsche Leichtigkeit", oder eines mit dem Titel "Angela, warum lullst du uns so ein?", in dem es um das Verhältnis unserer Kanzlerin zu dem türkischen Präsidenten Erdogan ging. Ansonsten drehten sich ihre Lieder und Textbeiträge jedoch eher um die Liebe, das Leben an sich und Nessi Tausendschöns Selbstverständnis darin. "Eigentlich wollte ich ja Ärztin werden", gestand sie dem Publikum. Stattdessen sei aus ihr aber eine "Lustigkeitshure" und "Humorprostituierte" geworden, und das, obwohl sie Lachen im Grunde eher als störend empfinde. Was natürlich niemanden davon abhielt, als sie in einem langen, weißen Kleid, mit Flügeln und blonder Wuschelperücke ihren berühmten beschwipsten Schutzengel von Frau Tausendschön gab.

Ein Schutzengel mit Fehlern, wie sie selber zugab, aber komische Leute erhielten eben auch komische Schutzengel. Während sie sich anschließend hinter der Bühne wieder umzog, hatte dann endlich auch ihr sonst eher zurückhaltender kanadischer Gitarrist William Mackenzie einen kurzen Soloauftritt. In diesem Fall nicht als Musiker, sondern als Zauberer. "Magie", rief er dabei strahlend und zauberte anschließend eine Flasche "Maggi" unter einem Tuch hervor. "Grand Magie!"

Diesmal erschien eine Maxiflasche Maggi, was ihm einen begeisterten Zwischenapplaus eintrug, der allerdings nur so lange anhielt, bis seine Kollegin wieder auf der Bühne erschien. Diesmal in einem geblümten Büro-Outfit als Gabi Pawelka, einer von diversen Selbstfindungsseminaren mental gestärkten Single-Frau auf der Suche nach einem "herrlichen Gatten da draußen in der Dunkelheit von Kamp-Lintfort". "Du musst nicht schön sein, brauchst auch nicht mehr viele Haare zu haben", pries sie sich dabei mir rührender Naivität an. "Eigentlich wichtig ist mir nur, dass deine Mutter schon tot ist. Bitte melde dich!" Doch niemand hob seine Hand. Stattdessen erhielten sie und William Mackenzie am Ende einen großen, verdienten Applaus.

(lang)