Kamp-Lintfort: Wenn Musikmachen Schmerzen bereitet

Kamp-Lintfort: Wenn Musikmachen Schmerzen bereitet

Chefarzt Dr. Florian Dankwerth führte Studie mit Geigern und Bratschisten durch.

Ob Rock, Pop oder Klassik - Musik macht einfach gute Laune. Aber sie hat auch ihre Schattenseiten. Denn sie kann Auswirkungen auf die Gesundheit der Künstler haben. Und die können beträchtlich sein. Anne Kussmaul kann davon ein Lied singen. Sie war elf Jahre lang als Geigerin im Berufsorchester der Dortmunder Philharmoniker aktiv. Heute ist sie freischaffende Musikerin, Dozentin für Musikvermittlung an der Hochschule und Moderatorin. "In den Jahren als Berufs-Geigerin hatte die Musik für mich erste Priorität", berichtet sie. Aber die Vereinbarkeit von Beruf und Gesundheit gelang zunehmend schlechter. Eine alte Sportverletzung, ein Sehnenanriss, bereitete immer mehr Probleme und Schmerzen. "Auch in Ruhezeiten schmerzte mein Arm", erzählt die 38-Jährige. Diverse Arztbesuche brachten keine wirkliche Entlastung. Sie half sich mit Feldenkrais-Übungen und Physiotherapie.

Vom oft als "Musiker-Mediziner-Papst" bezeichneten Professor Eckart Altenmüller bekam sie die Empfehlung, sich an Dr. Florian Danckwerth, den Chefarzt der Klinik für Konservative Orthopädie und Manuelle Medizin am St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort, zu wenden. "Das sei ein Arzt, der Musiker verstehe und die Abläufe kenne", berichtet Anne Kussmaul. Danckwerth behandelt regelmäßig die berufsbedingten Belastungen von Profi-Musikern. Zudem hat er eine eigene, weiterführende Studie zu diesen Belastungen durchgeführt. Die Musiker haben unterschiedliche Beschwerden, diese sind aber als Berufserkrankung nicht anerkannt. Durch Anne Kussmauls Beschwerden konnte sie ihren rechten Arm nicht voll belasten. Und das seit Jahren. Das machte sich auch beim Geigespielen bemerkbar.

Aber es sind nicht nur Schmerzen im Arm, die einen Berufsmusiker quälen. "Die Violine oder Geige ist ein gutes Beispiel", erläutert der Chefarzt. "Das Instrument wird zwischen Kinn und Schlüsselbein gehalten, oft mit geneigtem Kopf. Die Arme sind dabei erhoben, die Schultern über einen langen Zeitraum in gleicher Haltung. Dadurch sind sowohl Muskeln, Sehnen und Nerven als auch das Skelett von dieser unnatürlichen' Haltung betroffen. Bei etwa 70 Prozent der Berufsmusiker treten während des Spiels Schmerzen auf", weiß Florian Danckwerth. Über die Hälfte von ihnen hat Probleme in der Hals-, etwa ein Drittel in der Lendenwirbelsäule. "Schwierig ist, dass die Symptome so unterschiedlich sind", macht der Chefarzt deutlich. Das geht von Schmerzen in Schultern, Nacken, Armen und oder Kopf, die auch plötzlich auftreten können, über Steifheitsgefühl im Nacken, Schwindelattacken bis hin zu Hör-, Seh- und Schluckstörungen. Aber auch motorische Störungen, sensorische Probleme, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwächen oder Gereiztheit können auftreten.

Um die Zusammenhänge noch weiter zu erforschen, hatte der Chefarzt vor einiger Zeit eine Studie mit Geigern und Bratschisten gemacht. Ihre körperliche Beschaffenheit sollte mit Hilfe des MRTs überprüft werden. Untersucht wurden Musiker mit und ohne Beschwerden. Ihre Ergebnisse wurden mit einer Kontrollgruppe aus Nichtmusikern verglichen.

Es zeigte sich, dass bei Musikern (im Vergleich zur Kontrollgruppe) zahlenmäßig häufiger Veränderungen der Bandscheibe auftraten. Auch bei den Verschleiß-Erscheinungen zeigten sich ähnliche Werte. Ein weiterer Beleg für die tatsächlich auftretenden typischen Musiker-Erkrankungen.

(RP)