Weltentdecker spielen in Kamp-Lintfort immer draußen.

Serie Keine Angst vor dem Jugendamt : Weltentdecker spielen immer draußen

Die Gruppe ist ein Freizeit- und Bewegungsangebot, das der Allgemeine Soziale Dienst für Kinder konzipiert hat, die Unterstützung brauchen.

Ab in die Natur: Eichhörnchen und Hasen beobachten, Bäume, Sträucher, Wiesen entdecken, Insekten und Wassertiere erforschen. Für die kleinen Weltentdecker ist die Natur ein großes Experimentierfeld. Sie sammeln Gehölze und andere Naturmaterialien, um damit zu basteln und selbst kreativ zu werden, sie erforschen zusammen mit dem Förster den Wald und seinen Lebensraum und feiern Sommerfeste unterm blauen Himmel. Die Weltentdecker sind eine Gruppe, die der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt Kamp-Lintfort als niederschwelliges Freizeit- und Bewegungsangebot eingerichtet hat, um den Kindern den Spaß an der Natur, am Draußensein und an der Bewegung zu vermitteln. Gleichzeitig sollen sie lernen, miteinander in Interaktion zu gehen und soziale Bindungen zu knüpfen. „Wir verbringen die meiste Zeit draußen“, sagt Sarah Barten-Erps. Es geht zum Bootfahren auf dem Baggersee, zum Baumklettern oder zum Kegeln.

Der Allgemeine Sozialdienst (ASD) hat die Sozialpädagogin (Caritas) und ihren Kollegen Christian Dominik (Neukirchener Erziehungsverein) mit der Betreuung und Anleitung der Weltentdecker-Gruppe betraut. Der ASD nutzt die Ressourcen, die sich aus der Zusammenarbeit mit insgesamt vier freien Trägern ergeben, für Projekte, die Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren stärken sollen. Die Gruppe ist klein: Maximal elf Kinder treffen sich einmal in der Woche, um gemeinsam die Welt zu entdecken. „Jedes Kind hat seine eigene Geschichte, trägt seinen eigenen Rucksack“, erläutert Sarah Barten-Erps. Das eine isoliert sich vielleicht und hat Schwierigkeiten in der Schule, das andere kann nicht gut mit Konflikten umgehen, hat Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren, oder ist aus verschiedenen Gründen eher selten in Bewegung und im Freien unterwegs. Ziel der Gruppe ist, dass die Mädchen und Jungen durch das Erleben, Bewegen, Untersuchen und Forschen ihre eigenen Ressourcen, also Stärken und Schwächen, besser kennen- und einschätzen lernen. Es geht um Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen. Durch die gemeinsamen Aktivitäten soll die Fantasie der Kinder angeregt und die Wahrnehmung geschärft werden, Gleichgewichts- und Tastsinn, Gehör, Geschmack und der „Ich-Sinn“.

„Die Kinder sollen ein gesundes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und die Erfahrung machen, dass sie sich mit ihren eigenen Ideen einbringen können“, erläutert die Sozialpädagogin bei einem Ferienbesuch auf dem Hühnerspielplatz im Geisbruch. Die beiden Pädagogen sind mit den Eltern der Kinder gut vernetzt. „Bevor wir gemeinsam in die Welt starten, dürfen die Kinder bestimmen, was wir mitnehmen: Bälle und anderes Spielzeug“, berichten Sarah Barten-Erps und Christian Dominik, die nur wenig anleiten und vorgeben. Auf den Ausflügen gilt aber: Weniger ist immer mehr.

„Es ist doch viel spannender zu sehen, welche Spiele sich aus der Situation heraus entwickeln.“ Der gemeinsam verbrachte Nachmittag endet aber nie einfach nur so: „Wir sprechen immer über das, was wir gemeinsam erlebt haben und wie wir es fanden“, berichtet Barten-Erps. Und wenn es im Team besonders gut geklappt hat, gibt es für die Kinder ein dickes Lob. Barten-Erps: „Auch das müssen sie aushalten können.“