Kamp-Lintfort: "Waldbaden" zum Stressabbau

Kamp-Lintfort: "Waldbaden" zum Stressabbau

Melanie Kohl betont zum "Tag des Waldes" die positive Wirkung eines Spaziergangs in der Natur. Schon fünf Minuten täglich helfen nachhaltig.

Den Muttertag kennt jeder, und auch der Vatertag ist allgemein bekannt. Der Tag des Waldes, der seit 1970 alljährlich am 21. März von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen propagiert wird, ist jedoch nur wenigen Menschen ein Begriff. Nicht so für Melanie Kohl. Die 39-jährige Kamp-Lintforterin nimmt jeden Tag ein "Waldbad" und ist sich sicher, dass es kaum eine geeignetere Methode gibt, um ihre Gesundheit und berufliche Leistungsfähigkeit zu stärken.

Melanie Koch weiß, wovon sie redet. Sie hat als studierte Wirtschaftswissenschaftlerin lange Jahre im Management eines großen Pharmaunternehmens gearbeitet und dabei viel Stress erlebt. Krank machenden Stress, wie sie irgendwann erkannte. In dieser Zeit hörte sie zum ersten Mal von einer japanischen Freundin vom "Waldbaden" und dessen positiver Auswirkung auf den menschlichen Organismus. Danach hatten japanische Wissenschaftler bereits wiederholt nachgewiesen, dass selbst kurze Spaziergänge im Wald den Herzrhythmus langsamer, sowie den Bluthochdruck und die Werte des Stresshormons Cortisol verringern konnten. Das hatte sie neugierig gemacht. Melanie Kohl liebte die Natur.

Als sie dann nach diversen Ausbildungskursen und Selbststudien im Bereich Mentaltraining und Emotionspsychologie vor sechs Jahren beschloss, selber als freiberuflicher Coach Manager und führende Angestellte in Stress abbauenden Techniken zu unterrichten, nahm sie das "Waldbaden" in ihr Unterrichtsrepertoire mit auf.

"Viele berufliche und auch private Anspannungen lassen sich mit regelmäßigen Waldspaziergängen auf wunderbare Weise abbauen", erklärt Melanie Kohl. "In Japan hat man das schon länger erkannt und schon vor Jahren rund um Tokio und andere große Städte besondere Waldtherapiewege angelegt." Inzwischen habe sich die heilsame Wirkung des Waldes auch bei uns herumgesprochen und würde sogar als Therapiemethode bei Burnout-Patienten angewendet. Für den effektiven Erfolg einer "Waldbadekur" empfiehlt Melanie Kohl, einen mindestens fünfminütigen Spaziergang durch einen möglichst in der Nähe liegenden Wald. Am besten alleine, denn so könne man ungestört die Geräusche, Gerüche, sowie die zu jeder Jahreszeit unterschiedlichen Farben und Wachstumsstadien der Natur in sich aufnehmen und positiv verarbeiten. "Das macht einfach was mit einem", beschreibt sie die Wirkung. "Bei solchen Spaziergängen kommt man oft zu sich selber und erkennt, was einem gut tut, und was nicht."

Zusätzlich zu den spontanen Sinneserlebnissen empfiehlt sie dabei spezielle Atem- und Dehnübungen. Am wichtigsten aber sei, eine gewisse Achtsamkeit für die Botschaft der Natur zu entwickeln, dabei gleichzeitig loszulassen und sich zu entspannen. Keine leichte Aufgabe für Leute, die ständig beruflich unter Strom stehen. Eine dennoch erstaunlich erfolgreiche Therapie, wie Melanie Kohl feststellen konnte. Für sie ist das "Baden im Wald" daher inzwischen ein fester Bestandteil ihrer mehrtägigen Entspannungsseminare geworden. Sie selber badet nach wie vor jeden Tag mindestens zehn Minuten im Kamper Wald und tankt dabei neben ihrem seelischen Wohlbefinden gleichzeitig auch ihr körperliches Immunsystem auf. "Ich denke, jeder sollte regelmäßig eine Mindestportion Wald genießen", glaubt sie. "Und das nicht nur am Tag des Waldes."

(lang)