Theater Freudenhaus gastiert beim Freilichttheater Kamp

Kamp-Lintfort : Auf der Bühne gerät die Welt ins Wanken

Bei Familie Huschke ist der Abfluss dicht. Die Komödie, die das Theater Freudenhaus am Samstag auf der Kamper Freilichtbühne bot, sorgte für pure Unterhaltung. Die Zuschauer in der Arena durften herzhaft lachen.

Zweiter Aufschlag für das Kamper Freilichttheater. Das Essener Theater Freudenhaus sorgte mit dem Stück „Voll verstopft“ für einen amüsanten Sommerabend. Die Zutaten sind bewährt. Das Publikum rückt mit Proviant und kühlen Getränken an. Das Ensemble sorgt für die Unterhaltung, die in diesem Fall mit einer sanitären Katastrophe im Bad noch allzu banal scheint. Doch gerade diese Banalität bietet den Stoff für die Komödie, sorgt für Weltuntergangsstimmung, den Nervenzusammenbruch und hat das Zeug, alle Probleme mit einem Schwung ans Licht zu katapultieren.

Ein verstopfter Abfluss kurz vor einem Familienfest ist dabei das kleinere Übel, denn das Drumherum bringt die Welt ins Wanken, wie bei Familie Huschke. Selbst der sanitäre Ersthelfer, der Pömpel, ist wirkungslos. Mutter Evelyn (Kerstin Kramer) ist in ihrem Element, nicht nur als Kundenbetreuerin mit Home-Office. Ihr Mann Gerd (Oliver Fleischer) verlässt trotz sanitärer Katastrophe mit viel Getöse pünktlich am Morgen das Haus, sie soll sich um die Handwerker kümmern.

Tochter Kirsten (Johanna Wagner), noch müde von ihrem Kneipenjob, platzt in die Szene. Häusliche Idylle im Revier, die auf sanitäre Belastungsproben wenig eingestellt ist. Helfer in der Not ist Fachmann Olli Lehmann (Wolfgang A. Wirringa), der handwerkliche Glanzleistungen in Schwarzarbeit abliefert. Hilfskraft Dimitri (Christoph Kühne) unterstützt die Arbeiten und verliebt sich dabei in Kirsten. Der Verstopfung wollen alle auf den Grund gehen, stemmen Wände auf, horchen auf dem Wohnzimmerboden nach, was sich im Abflussrohr tut.

Auf der Kamper Bühne passiert das, was Millionen Menschen bereits erlebt haben. Das Publikum geht mit, erkennt sich in ähnlichen Situationen wieder, spendet begeistert Szenenapplaus. „Das ist ganz, ganz übel. Da tut sich nix“, meint Gerd Huschke, während seine Frau Evelyn bereits mit den ersten Putzarbeiten beginnt. „Putzen ist wie Krieg. Keine Partei gibt nach. Am schlimmsten sind die Männer, die fusseln vor sich hin“, so ihre Erfahrung als Putzteufel. „Das Leben ist wie ein Abfluss. Entweder alles im Fluss oder die Plörre bleibt stecken.“

Facettenreiche Volkes Stimme war in urkomischer Weise im Hause Huschke zu erleben. Der Text aus der Feder von Sigi Domke, Regie René Linke sorgte für Punktlandungen, bot das pralle Leben inklusive Asylpolitik, Erziehungs- und Beziehungsfragen, ein bisschen Weltpolitik mit Perestroika und das nie zu klärende Verhältnis von Mann und Frau. Zusätzliches Sahnebonbon: das Glockenspiel der Kamper Kapelle, das für zusätzliche Situationskomik sorgte. Ein begeistertes Publikum verließ das Theater mit der Gewissheit, sie sind mit ihren Erlebnissen in der Handwerkerbranche nicht alleine. Katastrophen in Haushalt, Bad und WC passieren, eskalieren und stärken dabei sogar den Familienverbund.

Am Sonntag, 22. Juli, 20 Uhr, spielt das N.N.Theater Köln „Ich fürchte nichts...Luther 2018“.