Serie Hochschulstandort: Studenten illuminieren Zechengebäude

Serie Hochschulstandort: Studenten illuminieren Zechengebäude

Professor Karsten Nebe und die Hochschüler stehen in den Startlöchern: Sobald das Schalthaus des Bergwerks West leer steht, wollen sie dem Zechengebäude durch Technologie, Licht und Kunst in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Wenn die elektrischen Anlagen im Schalthaus endgültig abgeschaltet sind, geht es los: Studenten der Fakultät Kommunikation und Umwelt planen mit ihrem Professor Karsten Nebe in dem Backsteingebäude an der Friedrich-Heinrich-Allee ein spannendes interaktives Kunstprojekt: Sie wollen die Fassade des Gebäudes mit seiner großen Fensterfront in einen Bildschirm verwandeln. "Leider hat sich die Realisierung unserer Idee mit der Verzögerung bei der Verfüllung des Schachtes Rossenray auch verschoben", sagt Professor Karsten Nebe. Im Gebäude, das am nördlichen Rand des Zechengeländes steht, befindet sich die Hauptstromversorgung des Bergwerks. "Sobald das Gebäude zugänglich ist, starten wir", verspricht Nebe.

Die Fensterfront des Schalthauses soll ein Bildschirm werden für ein interaktives Lichtprojekt. Foto: Klaus Dieker

"Kamp-Lintfort leuchtet" heißt das interaktive Projekt, das mehr als nur eine Installation ist. Das Besondere: Das Backsteingebäude mit seinen 300 Fenstern soll von innen heraus beleuchtet werden. Dazu werden Scheinwerfer an die Fenster angebracht, die nach außen strahlen. Zum Einsatz kommen Bühnenscheinwerfer, die mit LED ausgestattet sind und das komplette Farbspektrum abdecken. Das Gebäude soll aber nicht nur illuminiert werden, sondern einen Dialog mit den Bürgern eingehen. Über Editoren, die man über einen Web-Browser aufrufen und bedienen kann, sollen Kamp-Lintforter selbst zu Künstlern werden. Die Fensterfront könnte dann als Bildschirm für Spiele übers Handy genutzt werden. "Wir haben die Software bereits entwickelt. Der Editor liegt in der Version 1.0 vor, so dass jeder eigene Beiträge erzeugen kann", erklärt der Professor für Informatik. Mit den Editoren können Interessierte ihrer Fantasie nicht nur über die Wahl von Farben und Bewegungen freien Lauf lassen, sondern auch interaktive Elemente in ihrer Präsentation einbauen. Die Lichtkunst kann auf die Bewegung von Passanten oder Ereignisse in der Umgebung wie Lautstärke und Helligkeit reagieren. Möglich machen dies spezielle Sensoren, die ebenfalls durch die Studenten entwickelt und bereitgestellt werden.

Als nächstes muss eine Konstruktion errichtet werden, an der die Scheinwerfer angebracht werden. Es stehen 126 für ebenso viele Fenster zur Verfügung. Nebe geht davon aus, dass das Projekt, das eine Laufzeit von anderthalb Jahren haben wird, im Juni eingeweiht werden kann. Die Fakultät hat Kontakt mit Künstlern aufgenommen, die sich einbringen sollen. "Wir wollen auch Schüler zu Workshops einladen.

Bis es soweit ist, entwickeln die Studenten derzeit ein neues Projekt, das den Kamp-Lintfortern ebenfalls zugänglich gemacht werden soll. "Interactive Timeline" heißt das interdisziplinär angelegte Projekt. Entstehen soll ein virtuelles Gedächtnis der Stadt. Die Idee zu der Installation, die vielleicht schon bald an einem öffentlichen Standort aufgestellt wird, hatte Nebe. "Wir fragen die Kamp-Lintforter: Erzählt doch mal von früher." Interessierte sollen ihre digitalen und gedruckten Erinnerungen wie zum Beispiel Fotos auf eine Eingabestation einscannen und nach Datum verschlagworten. "Es wird möglich sein, Kurzkommentare auf Audio aufzunehmen", erläutert Nebe. Alle Bilder und Infos werden anschließend auf eine große interaktive Wand übertragen, die wie ein Zeitfenster vom Jahr 1700 bis heute immer in eine Richtung läuft. "Man kann die Bilder auf der Zeitleiste am Touchscreen antippen und sich genauer ansehen", erklären die sieben beteiligten Studenten. Fördergemeinschaft für Bergmannstradition, Zentrum Kloster Kamp und Stadtarchiv stellten für das virtuelle Zeitfenster erste Fotografien und Dokumente zur Verfügung. Eine Herausforderung, der sich die Studenten stellen müssen: Die Eingabestation muss für die Bürger leicht zu bedienen sein. Im Sommersemester soll die Installation fertig sein.

(RP)