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Kamp-Lintfort: Stadt: "Wir brauchen keine neuen Baggerseen"

Kamp-Lintfort : Stadt: "Wir brauchen keine neuen Baggerseen"

Kamp-Lintfort drohen drei neue Auskiesungsflächen in einer Gesamtgröße von 160 Hektar. Anlass zur Sorge geben im Rathaus Überlegungen in der Düsseldorfer Landesregierung, den erst seit 2017 gültigen Landesentwicklungsplan zu ändern.

Fast zehn Jahre ist es her, dass Anwohner im Wickrather Feld erfolgreich und vehement gegen Auskiesungsvorhaben vor ihrer Haustüre gekämpft haben. Jetzt scheint die damals ausgeguckte Fläche wieder in den Fokus der Kiesunternehmen geraten zu sein. Sie gehört zu zwei weiteren Auskiesungsbereichen, die der Stadt Kamp-Lintfort drohen, wenn die Landesregierung den seit 2017 gültigen Landesentwicklungsplan ändern lässt: Neben dem Wickrather Feld nördlich der B 510 handelt es sich laut Verwaltung um Flächen im Niephauser Feld in südwestlicher Fortsetzung der Abgrabung von Fika-Kies sowie angrenzend an der Leucht - insgesamt 160 zusätzliche Hektar. "230 Fußballfelder wären das insgesamt", hat Stadtplanerin Monika Fraling ausgerechnet. Die Flächen seien im Regionalplanentwurf, der ab Juli beraten wird, eingeplant.

An der Xantener Straße, südlich angrenzend an die Leucht, sei zudem ein weiterer Bereich als so genanntes Reservegebiet vorgesehen. Dieser müsste zukünftig von allen Planungen frei gehalten werden, die später eine Rohstoffgewinnung verhindern könnten. "Wir brauchen keine weiteren Baggerseen mehr", erklärte Bürgermeister Christoph Landscheit - in Anbetracht, dass für das Wickrather Feld ein 92 Hektar großer Bereich mit dem Rekultivierungsziel Wasserfläche angedacht ist. Landscheidt will das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Stadtrats stellen, der am Donnerstag, 12. Juli, tagt.

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"Wenn man sieht, wie Landes- und Regionalplanung sinnvolle Planungsregeln zugunsten der Kiesindustrie aufgeben, ist zu befürchten, dass die betroffenen Städte dabei auf der Strecke bleiben", so Landscheidt. Bei der aktuellen anvisierten Änderung des Landesentwicklungsplans gehe es um Versorgungssicherheit sowie Versorgungs- und Fortschreibungszeiträume für Auskiesungsbereiche, erläuterte der Bürgermeister. Landscheidt befürchtet darüber hinaus, dass ebenso die Regelung von Konzentrationszonen aufgegeben wird.

Dies würde für Kamp-Lintfort bedeuten, dass nicht mehr nur ausschließlich entlang der Nordtangente (Rossenrayer Feld) ausgekiest würde. Landscheidt setzt auf einen bestehenden Ratsbeschluss aus früheren Jahren, in dem sich das Gremium gegen weitere Auskiesungen ausgesprochen hatte. Nicht grundlos. Die Hochschulstadt ist wie andere Städte am Niederrhein durch die Auskiesung gebeutelt: Die Kiesindustrie beansprucht bereits heute 290 Hektar Fläche. "Das sind fünf Prozent unseres Stadtgebietes", sagt Monika Fraling. Drei Unternehmen sind in Kamp-Lintfort aktiv: Hülskens, Heidelberg Cement und Frika-Kies. Landscheidt sieht keine Chance, als Stadt gegen solche Auskiesungsvorhaben juristisch vorzugehen. "Wir haben vor einigen Jahren versucht, für den Bereich Rossenrayer Feld alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und Vereinbarungen über die Rekultivierung auszuhandeln. Es entstanden schöne Pläne. Das Rossenrayer Feld sollte Freizeit- und Erholungsgebiet werden - mit Badestränden." Erste Maßnahmen sollten bis 2017 umgesetzt sein. "Es wurden keine Fristen eingehalten. Es gibt keine Verlässlichkeit", beklagt sich Landscheidt. Er will jetzt den Schulterschluss mit den Bürgern und den Initiativen suchen. Ein erster Kontakt mit der Interessengemeinschaft Dachbruch ist aufgenommen. Die öffentliche Auslegung der LEP-Änderung erfolgt noch bis Mitte Juli.

(RP)