Stadt Kamp-Lintfort plant Eltern-Haltestellen und verkehrstechnische Maßnahmen.

Schulweg in Kamp-Lintfort : Kamp-Lintfort sorgt für sicheren Schulweg

Die Stadtverwaltung schnürt ein großes Maßnahmen-Paket, um den Weg zur Ebertgrundschule für die Kinder sicherer zu machen. Die einzelnen Bausteine sollen in der Altsiedlung bis spätestens September 2019 umgesetzt sein.

Die „Eltern-Taxis“ haben auch in der Kamp-Lintforter Altsiedlung zu Verkehrsproblemen geführt: Verstopfte Straße, versperrte Hauszufahrten, rüdes Verkehrsverhalten, gefährliche Situationen für die Schulkinder, die zur Ebertschule gehen. Schulleitung, Schulpflegschaft und Anwohner haben sich in den vergangenen Monaten vermehrt über Mütter und Väter beschwert, die ihre Kinder bis fast vor die Grundschultüre fahren. „Das, was uns geschildert wurde, klang teilweise wie Wilder Westen“, berichten Martina Kandolf, Leiterin des Ordnungsamtes, und Lydia Kiriakidou, Leiterin des Amtes für Schule, Jugend und Sport. Es bestand dringender Handlungsbedarf. Die Verwaltung holte sich externe Hilfe ins Boot und beauftragte das Wuppertaler Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation (Bueffee) mit der Untersuchung der Situation vor Ort. Die Verkehrsplaner erstellten Verkehrskonfliktanalysen, ermittelten Unfalldaten und führten eine Elternbefragung durch.

„Gott sei dank, gab es keine schweren Unfälle“, so Kandolf. Das Ergebnis der Umfrage entsetzte dennoch: „So werden 64 Prozent der Schüler bei schlechtem Wetter mit dem Auto zur Schule gebracht. Wir müssen zusehen, dass wir die Kinder auf die Füße bringen und gleichzeitig den Eltern die Sorge vor dem Schulweg nehmen. Wir nehmen ihre Bedenken natürlich ernst.“ Zusammen mit den Wuppertaler Verkehrsplanern entwickelte die Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket, das bis zum neuen Schuljahr im September diesen Jahres den Weg zur Ebertschule für die Kinder sicherer machen soll.

Erste verkehrstechnische Maßnahmen sind bereits umgesetzt: Hecken wurden zurückgeschnitten, verblasste Markierungen und Haltelinien erneuert. „Unübersichtliche Parkbuchten vor der Schule wurden zu Sperrflächen, damit die Kinder die Straße überblicken können – zunächst ohne Poller.“ Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Geplant sind vier neue Querungshilfen im Bereich von Franz-, August-, Katten-, Brandhof-, Ebert- und Annastraße mit Zebrastreifen. „Wir wollen außerdem Hol- und Bring-Zonen im Umkreis von 250 Meter zur Schule einrichten“, berichtet Martina Kandolf. Diese werden sich im Bereich Ebert- und Cäcilienstraße befinden.

In Abstimmung mit der Polizei sollen sogenannte „unechte“ Einbahnstraßen entstehen. „Solche Einschränkungen erschweren es den Autofahrern, durch das Gebiet zu fahren, ohne dass die Anwohner selbst betroffen sind“, erläutert die Leiterin des Ordnungsamtes. Die Stadtverwaltung setzt jedoch nicht nur auf verkehrstechnische, sondern auch auf pädagogische Maßnahmen. Ein Projekt lautet: „Let’s Go – Walking Bus“. „Dahinter verbirgt sich die Idee, zwei Hauptrouten zu installieren, auf denen die Kinder sicher zu Fuß zur Schule gehen können. Die Schüler finden sich an Treffpunkten an der Ecke Franz- und Ebertstraße sowie Auguststraße ein und haben unterwegs eine erwachsene Begleitung“, erklärt Lydia Kiriakidou. „Wir hoffen, dass sich die Elternschaft engagiert, denn wir können nur die Voraussetzungen schaffen“, betont Kandolf. Große Hoffnung setzen Kandolf und Kiriakidou auch auf das Verkehrszähmer-Programm: „Es richtet sich an Schüler der dritten und vierten Klassen. Sie erhalten Zaubersterne, wenn sie den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad meistern. Die Klassen mit den meisten Sternen erhalten als Belohnung zum Beispiel einen Zoobesuch“, sagt die Schulamtsleiterin Kiriakidou. Das sei Anreiz für die Kinder, auf das Eltern-Taxi zu verzichten. „Und über die Kinder kommen wir an die Eltern heran“, betont sie. Elternbriefe sind bereits aufgesetzt. Im Januar soll das Paket, das in einer großen Kooperation von vielen Mitstreitern entstanden ist, den Eltern und Lehrer der Ebertschule vorgestellt werden.

„Wir sind guter Dinge“, sagt Martina Kandolf und geht davon aus, dass die Einweihung aller Maßnahmen im September gefeiert werden kann. „Dafür müssen wir jedoch Geld an die Hand nehmen. Zum Glück haben es die politischen Gremien ebenso gesehen“, so die Ordnungsamtsleiterin. Inzwischen hat auch die Grundschule am Niersenberg Interesse an dem Projekt bekundet. Die Wuppertaler Verkehrsplaner sind schon beauftragt.

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