Kamp-Lintfort: Stadt bringt Schüler ins Theater

Kamp-Lintfort: Stadt bringt Schüler ins Theater

Die Burghofbühne aus Dinslaken spielte gestern das norwegische Stück "Meet me" in der Stadthalle. Mehr als 200 Schüler des Georg-Forster-Gymnasiums und der Unescoschule fieberten mit einem jungen Flüchtling mit, der sich fremd im neuen Land fühlt.

Als die Lichter in der Aula angehen und Flüchtling Shaya (Asim Odobasic) von der Bühne springt, blinzeln viele Schüler. "Was ist denn jetzt los?", fragt ein Junge. Schnelle Popmusik ertönt. "Ich brauche Zettel und Stift", ruft Shaya. "Ihr müsst mir helfen!" Die Ersten zücken ihre Federmappen, wühlen in ihren Schultaschen nach einem Block. Shaya läuft hektisch umher, bis ihm jemand aus der zweiten Reihe die Schreibutensilien nach vorne reicht. "Danke", sagt er, während er wieder die Bühne erklimmt. "Das war das erste Mal, dass ich in diesem Land jemanden um Hilfe gebeten habe."

Foto: Christoph Reichwein

Shaya, ein junger Flüchtling aus Afghanistan, möchte eine Nachricht an seine Freundin La'ila (Marie Förster) schreiben. La'ila ist schwanger und glaubt nicht, dass Shaya ein guter Vater sein kann. "You look like shit", sind ihre Worte, als sie den Afghanen zum ersten Mal trifft. Er sehe aus wie ein Asylant - so würde er in Norwegen, seiner neuen Heimat, keine Chance haben. Sie gibt ihm 2000 Kronen und bittet ihn, sich davon bessere Kleidung zu kaufen. Shaya hat andere Pläne: Er ersteht eine teure Sonnenbrille, mit der er cool aussieht, die er im verregneten Norwegen aber nicht braucht. Da schreibt La'ila ihm eine Nachricht: Sie will ihn treffen. Er hat Angst, dass sie das Geld zurückfordern könnte - sie will ihm von der Schwangerschaft erzählen. Bekifft kommt er zu ihrer Wohnung. La'ila ist wütend. Als sie erfährt, was er mit dem Geld gemacht hat, wirft sie ihm an den Kopf, dass er selbst noch ein Kind sei. Sie hat Angst, dass Shaya abgeschoben werden könne. Beide sind überfordert: Shaya spricht weder Norwegisch noch hat er eine Arbeit. Er wohnt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Schließlich bekommt er einen Brief - was darin steht, bleibt offen. Es könnte sich um einen Abschiebungsbescheid handeln. Der Afghane ignoriert das Schreiben und beschließt, die Brille zu verkaufen und von dem Erlös etwas für das Baby zu erstehen.

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Das Stück von Liv Heloe regt die Zuschauer zum Nachdenken an. Das wird bei der Nachbesprechung mit Anna Scherer, der Leiterin des Jungen Theaters der Burghofbühne, deutlich. Obwohl "Meet me" zweisprachig ist - Shayas Muttersprache wird auf Deutsch gespielt, mit den Norwegern verständigt er sich auf Englisch - gibt es wenige Verständnisfragen. Die Jugendlichen machen sich Gedanken über das Bühnenbild, das ganz in Weiß gehalten ist, darüber, wie es mit La'ila und Shaya weitergehen könnte, was in dem Brief stand, den der Afghane nicht beachtet hat. "Flüchtlinge werden scheiße behandelt", sagt ein Junge aus den vorderen Reihen. "Diejenigen, die das tun, sollten sich vorstellen, wie schwierig es für sie wäre, in einem neuen Land zurechtzukommen." Alle klatschen.

Empathische Worte, die sicher auch Schul- und Kulturdezernent Christoph Müllmann gefreut hätten. "Die Burghofbühne führt seit 2015 jährlich ein Stück für Jugendliche hier auf. Wir möchten damit die Persönlichkeitsbildung unterstützen und die künstlerische Verarbeitung von gesellschaftskritischen Themen nahebringen", sagte er vor der Aufführung.

(jma)