Kamp-Lintfort: Stabwechsel in der Fördergemeinschaft

Kamp-Lintfort: Stabwechsel in der Fördergemeinschaft

Sie feiert mit dem Jahreswechsel ihren 30. Geburtstag. Chronik und Geburtstagsfeier, Wechsel im Vorstand und Übernahme der Schirrhofes sind Zeichen eines Umbruchs. Manfred Stratenhoff gibt den Vorsitz ab.

Am 28. Dezember 1987 gründeten neun Bergleute um Harry Wansner und ein Nicht-Bergmann, Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn, die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein. Die Gründer scheinen mit ihrer Idee, Bergmannstradition zu leben und Dokumente über den Bergbau zu sammeln, einen Nerv getroffen zu haben. Schnell stießen neue Mitglieder zur Fördergemeinschaft, zunächst nur männliche, dann auch weibliche. Heute gehören ihr 615 Bergleute und Nicht-Bergleute an, die vor allem aus Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort kommen. Das erste Halbjahr 2018 steht im Zeichen des 30. Geburtstages. Es ist ein besonderes, das gleichzeitig ein Umbruch ist.

Dieser beginnt mit der Neuwahl des Vorstandes am 17. Januar. Vorsitzender Manfred Stratenhoff tritt wohl nicht mehr an. Der 78-jährige Kamp-Lintforter gehört zu den zehn Gründungsmitgliedern der Fördergemeinschaft. Von Anfang an war er im Vorstand, zunächst als Protektor und seit 1991 als Vorsitzender.

Neuer Vorsitzender soll Norbert Ballhaus werden. Der 62-jährige Rheinkamper war Markscheider auf dem Bergwerk "Friedrich Heinrich - Rheinland" und von 2004 bis 2014 Moerser Bürgermeister. Bei der Fördergemeinschaft war er zunächst Protektor und zuletzt stellvertretender Vorsitzender. Er führte für sie die Gespräche um den Schirrhof, der Lehrstollen, Pumpenhaus und Ausbildung umfasst, mit der Ruhrkohle Montan Immobilien GmbH und der Stadt. "Der alte Vorstand legt der Versammlung einen Vorschlag für den neuen Vorstand vor", sagt der heute stellvertretende Vorsitzende. "Vorher werden keine Namen genannt." Seine Position als Stellvertreter soll der Beigeordnete Dr. Christoph Müllmann übernehmen. Er gehörte bislang nicht dem Vorstand an, stand aber bei den Verhandlungen um den Schirrhof damit in Kontakt. Ob Kassierer Helmut Beier und Schriftführer Helmut Schön weiter im Vorstand dabei sind, ist noch nicht bekannt. Als sie bei der Mitgliederversammlung der Fördergemeinschaft Ende November die Goldene Verdienstmedaille des Landesverbandes der Berg- und Knappenvereine erhielten, weil sie seit über 25 Jahren dem Vorstand angehören, deuteten das nicht wenige als Zeichen, jetzt könnten sie sich ehrenvoll aus dem Vorstand zurückziehen.

Herbert Gratzer, der heute Beisitzer ist, könnte in den geschäftsführenden Vorstand aufrücken. Auch Gunter Hagen, der heute Protektor ist, könnte stärker eingebunden werden. Bei Versammlung am 17. Januar, die um 18 Uhr in der Gaststätte Altes Kasino beginnt, soll die aktualisierte Chronik vorgestellt werden, die um die fünf Jahre seit dem 25. Geburtstag ergänzt wurde. "Jedes Mitglied erhält sie", sagt Stratenhoff. Im Frühsommer könnte es eine Geburtstagsfeier geben, die angedacht, aber noch nicht konkret geplant ist. Bereits zuvor könnten Stadt und RAG MI vor einem Notar den Kaufvertrag für das Gelände des Schirrhofes unterschrieben haben. "Der Rat hat diesem Kauf bei seiner Sitzung am 12. Dezember zugestimmt", berichtet Ballhaus. Bis zur Landesgartenschau, die im April 2020 beginnt, soll der Umbau abgeschlossen sein, für den aufseiten der Fördergemeinschaft Herbert Gratzer Koordinator ist.

In der Ausbildung des Schirrhofes sollen die Dokumente der Fördergemeinschaft eine feste Bleibe finden, die zurzeit im Knappenheim an der Schulstraße untergebracht sind, zum Beispiel Bücher, Bergbaufotografien oder Grubenlampen. Das Pumpenhaus soll ein Ausgangspunkt für Führungen sein. "Es war vor 30 Jahren ein Kampf mit der Werksleitung, das Knappenheim an der Schulstraße zu bekommen", meint Manfred Stratenhoff und fügt hinzu: "Es war aber einfacher als jetzt beim Schirrhof, die Verhandlungen mit der Politik zu führen."

(RP)