St. Josef hat wieder einen leitenden Pfarrer

Kamp-Lintfort: St. Josef hat wieder einen leitenden Pfarrer

Pfarrer Michael Ehrle ist zwei Jahren als Seelsorger in der Gemeinde St. Josef. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde ihm jetzt offiziell die Pfarrstelle übertragen. Er ist damit Nachfolger von Karl-Josef Rieger.

Viele Kamp-Lintforter kennen Pfarrer Michael Ehrle bereits seit 2016 als Seelsorger ihrer katholischen Gemeinde St. Josef. Bisher jedoch nicht in leitender Funktion. Die wurde ihm jetzt am Sonntag in einem feierlichen Gottesdienst in der örtlichen St. Josefkirche übertragen. Er tritt damit die Nachfolge von Karl-Josef Rieger an, der inzwischen in der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. tätig ist.

„Die Gemeinde St. Josef wird ab heute wieder einen leitenden Pfarrer haben.“ Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Heinrich Bösing, der  der Moerser St. Martinus Gemeinde vorsteht und die Kamp-Lintforter Stelle seit dem Weggang seines Kollegen Riegers nur kommissarisch übernommen hatte, die Besucher in der nahezu voll besetzten St. Josef Kirche. „Sie kennen ihn ja schon etwas länger. Ich muss ihn also nicht mehr besonders vorstellen“, lächelte er und übergab  Erle anschließend seine neue Position mit den Worten: „Ich übergebe Ihnen hiermit die Pfarrstelle Kamp-Lintfort.“

Der war sichtlich bewegt, übernahm dann aber die weitere Leitung der Messe mit einer sympathischen Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Nachdem er schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren angekündigt hatte, sich vor allem für die Förderung der gemeindlichen Kinder- und Jugendarbeit einsetzen zu wollen, hatte er sich für die Gestaltung seines Einführungsgottesdienst an diesem Sonntag etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Angeregt von der einstigen Jesus-Forderung „Lasset die Kindlein zu mir kommen“, lud er die in der Kirche befindlichen Kinder auf einer Decke vor dem Altar zu einem Gespräch ein. „Ich bin jetzt für diese Gemeinde zuständig“, stellte er sich ihnen vor. „Was meint ihr, macht ein leitender Pfarrer eigentlich?“ „Er leitet die Gottesdienste“, wusste eines der Kinder. „Ja stimmt. Aber ich bin auch ein Hirte, und der muss immer bei der Herde sein, wenn er dort gebraucht wird.“

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An die Erwachsenen hatte er neben einer ähnlichen Botschaft jedoch noch ein ganz spezielles Anliegen: „Wenn Sie demnächst irgendetwas an mir stört, sagen Sie es mir ins Gesicht. Ich kann damit leben, wenn man mich ‚Arschloch“ nennt, aber ich kann nicht damit leben, wenn man hinter meinem Rücken redet. Denn nur zusammen sind wir St. Josef“,  fuhr er fort: „Hier leben Christen, die alle ein offenes Herz für Freunde und Fremde haben. Ohne Sie bin ich nämlich nichts weiter als irgendein beliebiger Priester.“

Das sah Irmgard K. ein Mitglied der zu seinem Bezirk gehörigen Pfarrgemeinde Eyll jedoch anders. Für sie ist der neue leitende Pfarrer Michael Ehrle auch außerhalb seines Amtes „ein ganz, ganz toller, einfühlsamer Mensch“, der „wunderbar auf die Leute zugehen kann“. Das dem tatsächlich so ist, bewies es kurze Zeit später, als während der Erteilung seines Gemeindesegens plötzlich ein kleiner, farbiger Junge durch den Altarraum tobte. „Lasst ihn“, unterbrach er dabei kurz das kirchliche Ritual und fing den Kleinen wenig später mit einem Lächeln ein. Nach der Abendmahlszeremonie hatten die Gottesdienstbesucher dann im benachbarten Josef-Jeurgens-Haus Gelegenheit, bei einem geselligen Beisammensein mit ihrem neuen leitenden Pfarrer ins Gespräch zu kommen.