Kamp-Lintfort Sprayer beschmieren Brückengemälde

Kamp-Lintfort · Farbschmierereien verschandeln das Wandgemälde in der Unterführung unter der Moerser Straße. Studenten der Hochschule Rhein-Waal hatten vor zwei Jahren den grauen Beton mit Bildern aus der Stadtgeschichte verschönert.

 Das Wandbild in der Unterführung unter der Moerser Straße geht auf eine Initiative von Hochschülern zurück, die das Konzept "Color the bridge - History of Kamp-Lintfort" entwickelt hatten. Die damals nicht einladend wirkende Unterführung wurde so verschönert.

Das Wandbild in der Unterführung unter der Moerser Straße geht auf eine Initiative von Hochschülern zurück, die das Konzept "Color the bridge - History of Kamp-Lintfort" entwickelt hatten. Die damals nicht einladend wirkende Unterführung wurde so verschönert.

Foto: Klaus Dieker

Schriftzüge und Kritzeleien verschandeln das Wandgemälde in der Unterführung unter der Moerser Straße. Studenten der Hochschule Rhein-Waal hatten vor zwei Jahren den grauen Beton mit Bildern aus der Stadtgeschichte verschönert.

Das ist schade: Förderturm, das Kloster Kamp und andere bekannte Gebäude sind mit bloßem Gekritzel übermalt. Das Gesicht des Bergmanns mit weißem Spitzbart ist unter weißen Schriftzügen nicht mehr zu erkennen. Dabei sollten die Wandbilder, die Studenten der Hochschule Rhein-Waal vor etwa zwei Jahren in der Unterführung unter der Moerser Straße realisiert hatten, die graue Beton-Durchfahrt verschönern.

"Color the bridge - History of Kamp-Lintfort" hieß das Studentenprojekt, das seinerzeit an der Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule in Kamp-Lintfort seinen Anfang nahm. Damals sah die Unterführung, die in den 1970er Jahren errichtet wurde, mit ihrem grauen Beton und den zahllos aufgesprayten Symbolen und Sprüchen nicht wirklich einladend aus.

Die Studenten entwickelten unter Leitung von Professor Jörg Petri und Lina Berkenbusch aus dem Studiengang "Information and Communication Design" ein Bild-Konzept für die Unterführung. Die Studenten griffen Aspekte aus der Geschichte der Stadt Kamp-Lintfort auf und nahmen sie zur Vorlage für die Wandgestaltung. In mehreren Wochen malten sie Gebäude und Szenen der Historie, der Gegenwart und Zukunft der Stadt auf die Wand. Dabei kamen vor allem die Farben Grün und Blau zum Einsatz. So verewigten sie zum Beispiel die Ankunft der Zisterziensermönche auf dem Kamper Berg auf dem kahlen Beton. Auf dem Wandgemälde entdecken Passanten die spanische Statthalterin in den Niederlanden, Isabella Clara Eugenia, als Namesgeberin der Fossa Eugeniana.

Illustriert wurden auf der rund 180 Quadratmeter großen Fläche auch die Zeche Friedrich Heinrich, der Terrassengarten am Kloster Kamp, das ABC-Gebäude an der Ringstraße, das Kaliber-Café, der Schornstein der Kreis Weseler Abfallgesellschaft am Asdonkshof und die Hochschule auf dem Campus Kamp-Lintfort. Idee war es, den Kamp-Lintfortern durch das Brückengemälde zu zeigen, was sich im Laufe der Geschichte in der Stadt verändert hat. Dazu wählten die Studenten vor allem bekannte Motive aus der Geschichte aus der Kloster- und Bergbaustadt. Stadt und Hochschule teilten sich die Kosten in Höhe von 2500 Euro für die Farbe.

Dass Unbekannte die Wandgemälde jetzt mit ihren Kritzeleien verunstaltet haben, ärgert viele Passanten. Vor allen in den sozialen Medien wurde Kritik geäußert. Martin Notthoff, zuständiger Dezernent in Kamp-Lintfort, hat die Kritzeleien zwar selbst noch nicht in Augenschein genommen, findet diese jedoch ebenso ärgerlich. Bislang hätten sich Farbschmierereien in Kamp-Lintfort in Grenzen gehalten. Am Wandelweg seien mal Schilder bemalt gewesen, so Notthoff.

Zweifelhaft ist allerdings, ob die Stadt das Wandgemälde wieder auf Vordermann bringen wird. Die Unterführung ist aus Sicht des Dezernenten kein so präsenter Ort. Und: "Wir lassen uns nicht auf den Wettbewerb ein, dass wir die Schmierereien wegmachen und andere sie wieder drauf sprayen", erklärte Notthoff auf RP-Anfrage. Es sei technisch außerdem nicht so einfach, diese Kritzeleien zu entfernen und auch recht teuer.

(RP)