Kamp-Lintfort Sinas Heimkehr ist das größte Geschenk

Kamp-Lintfort · Seit dem dritten Advent ist die zehnjährige Sina wieder zu Hause in Kamp-Lintfort. Ihre Eltern Daniela und Andreas Grundmann wünschen sich nichts mehr, als dass sich der Gesundheitszustand ihrer Tochter immer weiter stabilisiert.

 Für Daniela und Andreas Grundmann ist es das größte Geschenk, dass ihre Tochter Sina nach vier Monaten im Freiburger Krankenhaus wieder zu Hause ist. Weihnachten hat die Familie zu dritt gefeiert, mit einem geliehenen künstlichen Weihnachtsbaum und Fondue. Sina darf zurzeit nur mit Mundschutz das Haus verlassen. Die Infektionsgefahr ist zu groß.

Für Daniela und Andreas Grundmann ist es das größte Geschenk, dass ihre Tochter Sina nach vier Monaten im Freiburger Krankenhaus wieder zu Hause ist. Weihnachten hat die Familie zu dritt gefeiert, mit einem geliehenen künstlichen Weihnachtsbaum und Fondue. Sina darf zurzeit nur mit Mundschutz das Haus verlassen. Die Infektionsgefahr ist zu groß.

Foto: Privat

An der Wohnungstür klingelt es. "Es sind zwei Nachbarsjungen, die ein Präsent für Sina bringen. Ich sag' ihr kurz Bescheid", erklärt Daniela Grundmann am Telefon. Mit ihnen spielen darf das Mädchen aber noch nicht: "Die Infektionsgefahr ist zu groß. Es ist Virus-Zeit, die Grippe-Welle im vollen Gange, und Sinas Immunsystem ist sehr geschwächt", erläutert ihre Mutter. Draußen muss Sina einen Mundschutz tragen und zu anderen Abstand halten. "Mindestens zwei bis drei Meter." Eine Umarmung oder ein Küsschen können für das Mädchen gefährlich sein.

Seit dem dritten Advent ist Sina endlich wieder zu Hause. Im Frühjahr war bei ihr die Blutkrankheit Myelodysplastisches Syndrom festgestellt worden. Patienten, die an dieser Krankheit leiden, können aus ihren körpereigenen Stammzellen keine funktionstüchtigen Blutzellen produzieren. Nachdem Sinas Erkrankung bekanntgeworden war, erfuhr die Familie eine große Hilfsbereitschaft. Mehr als 2000 Spender ließen sich im Frühling bei einer großen Hilfsaktion in der Ernst-Reuter-Grundschule registrieren.

Kamp-Lintfort: Sinas Heimkehr ist das größte Geschenk
Foto: Nein

Sina hatte großes Glück: Ein passender Spender wurde gefunden. Die Transplantation im September verlief gut. "Wir hatten aber gehofft, Sina viel früher nach Hause holen zu können." Doch ein Virusinfekt, der eine Hirnhautentzündung auslöste, durchkreuzte Anfang November die Hoffnung der Familie. Die Ärzte stellten einen erhöhten Hirndruck fest. "Sina musste immer wieder erbrechen, und niemand wusste, warum. Sie sagte immer: Mama, mach', dass ich nicht mehr brechen muss. Als Mutter steht man da nur hilflos neben dem Bett. Es war eine ganz schlimme Zeit", sagt Daniela Grundmann. In dieser Zeit konnte Sina auch die Medikamenten-Einnahme nicht trainieren. Die musste sie aber beherrschen, um das Krankenhaus in Freiburg verlassen zu können. Bis zu 14 Tabletten muss das Mädchen täglich nehmen.

Am dritten Adventwochenende konnte die Zehnjährige dann endlich das Freiburger Krankenhaus nach vier Monaten verlassen. "Wir haben Weihnachten zu dritt gefeiert. Es war sehr schön. Sina wollte gern Fondue und Salat essen. Das haben wir einfach ausprobiert, und es ist bis auf ein leichtes Magengrummeln auch gut gegangen." Essen darf die Zehnjährige nicht alles.

"Wir haben von den Ärzten sechs DinA4-Seiten mit nach Hause bekommen, auf denen steht, was unsere Tochter essen darf und was nicht. Keine Nüsse und Erdbeeren, keinen Honig. Dabei hätte sie so gerne eine mit Schokolade überzogene Erdbeere vom Weihnachtsmarkt bekommen." Weihnachten hat es sich Sina mit ihren Eltern zu Hause gemütlich gemacht. "Es ist für uns das größte Geschenk, dass sie wieder bei uns ist."

Eine Freundin der Familie brachte einen künstlichen Weihnachtsbaum vorbei, den die Familie gemeinsam schmückte. Und zu Silvester wurden ein paar Raketen in den Himmel geschossen. "Die vergangenen 14 Tage waren gut. Sina hat wieder gesungen. Als erstes, als sie wieder daheim war, hat sie sich als Klavier gesetzt und gespielt." Am 29. Januar hat das Mädchen Geburtstag, wird elf Jahre alt. Dann darf es eine beste Freundin/ besten Freund einladen. Die Zehnjährige fiebert vor allem aber dem Tag 180 entgegen. Wenn alles gut anschlägt, gilt die Knochenmarktransplantation 180 Tage nach der OP als erfolgreich abgeschlossen. "Es gibt dann einige Hygienelockerungen, und sie darf ihre Freunde wieder treffen." Sina zählt schon die Tage, denn Skypen, erzählt ihre Mutter, mag sie nicht, weil sie nicht richtig dabei sein kann. "Das tut ihr im Herzen weh", sagt Daniela Grundmann.

Geplant ist, dass Sina schon bald Haus-Unterricht bekommt. Drei ihrer Klassenlehrer vom Georg-Forster-Gymnasium werden ihr dabei helfen, den verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen. Das Gymnasium hat Sina noch nicht besucht. "Der erste Schultag war ihr erster Chemo-Tag", berichtet Daniela Grundmann. Sie wünscht sich nichts mehr, als dass Sinas Gesundheitszustand sich immer weiter stabilisiert, es keine schweren Infektionen und Rückschläge mehr gibt.

"Es wäre so schön, wenn wir wieder Alltag erleben, und Sina lachen, klettern und Fahrradfahren kann", wünscht sich Daniela Grundmann von Herzen. Ärzte und Medikamente werden Sina jedoch noch viele Jahre lang begleiten. Vier Jahre lang muss sie alle drei Monate nach Freiburg ins Krankenhaus, in den dann folgenden vier Jahren schließlich halbjährlich. "Sie wird in den nächsten 15 bis 20 Jahren regelmäßig zu den medizinischen Kontrollen fahren müssen", betont ihre Mutter. "Eine Woche Chemo kann ein ganzes Leben beeinflussen."

(RP)
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