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Serie Imkern in Kamp-Lintfort: Start in die Bienensaison

Imkern in Kamp-Lintfort : Start in die Bienensaison

Beim Bienenzuchtverein Vierquartieren dreht sich am Fuß vom Kloster Kamp alles um die Saisonvorbereitung.

Am Bienenhaus summen die Bienen. Alle Zeichen stehen auf Start und Frühlingsausflug. „Die Bienen sind kurz vor der Explosion. Das erste große Blühen beginnt. Frühblüher sind die ersten Pollenlieferanten“, sagt Michael Goldmann. Die zweite Kurseinheit für angehende Imker beschäftigt sich in Theorie und Praxis mit Frühjahrsarbeiten, damit die Bienenvölker gut in den Sommer kommen. Das Wetter spielte noch nicht ganz mit, wie Fachmann Heinz Engels erklärt. „Auf kältere Temperaturen um zehn Grad reagieren die Bienen eher zurückhaltend und sind dann schlechter Laune, stechen wie die Weltmeister, wenn wir mit den nötigen Arbeiten anfangen.“

Sobald das Thermometer aber steigt, drängen sie aus ihrem Etagenwohnhaus raus, das der Imker Beute nennt. Ende April beginnt die eigentliche arbeitsreiche Zeit für den Imker. Die Bienen betätigen sich jetzt als Baumeister an ihren Bienenwohnungen, arbeiten am Brutnest, damit sie als starkes Volk den Sommer erleben. Zu beobachten sind Flugbienen mit dicken Pollenhöschen an den Hinterbeinen. Sie tragen den Blütenstaub in den Stock. Die Wintervorräte in den Futterwaben sind verbraucht oder verdorben. Wabenhygiene hat im Vorfeld für den Imker Vorfahrt. Goldmann: „Die Arbeitsbienen sind bereits als Reinemachfrauen unterwegs und haben die Waben gesäubert.“ Der Imker entnimmt die Waben. „Wir lassen in der untersten Etage am Rand Futterwaben stehen, damit sie versorgt sind, wenn es plötzlich nochmals kalt wird“, so der Bienenvater. Kälte kann die Brutaktivitäten spontan abreißen lassen. Das A und O bei allen Imkerarbeiten ist Ruhe. „Hektische, laute und zu schnelle Bewegungen mögen sie am Brutraum nicht, da werden sie unruhig“, so der Rat von Uwe Zimmermann, der gemeinsam mit den Kursteilnehmern die Waben durchschaut und zum Schluss den Honigraum aufsetzt.

  • Foto: Thomas Frey/dpa
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Die Kunststoffkiste wird gegen die Holzkiste ausgetauscht. „Hektik spüren Bienen schnell“, so Teilnehmer Manfred Bruckewälder, der schon mit einigen Völkern imkert. „Über Bienen kann man nie genug lernen“, so seine Erfahrung. Jörg Goossens hat schon im Winter Literatur gewälzt. „Bienen sind einfach faszinierend“, sagt er. Mit dem Stockmeisel entfernt Zimmermann vorher Wachsreste von den Rähmchen der Brutwaben, die er einzeln durchschaut und umhängt.

Er arbeitet mit Stirnlampe, die das geheime Leben in den Waben offenlegt. „Wo es in der Wabe glänzt, schwimmt die Larve im Futter“, so Zimmermann. Rund drei Tage dauert die Entwicklung vom Ei zur Larve. Sie verwandelt sich in der verdeckelten Zelle zur Puppe und verlässt als fertige Biene drei Wochen später die Zelle. Die Königin ist aktuell schwer beschäftigt, legt fleißig Eier und sorgt für den Fortbestand der Population. Auf Anhieb ist sie nicht zu entdecken, auch wenn sie größer ist als die Bienen und zusätzlich vom Imker mit einem nummerierten Farbplättchen gekennzeichnet ist, dem Bienenkrönchen sozusagen.

Bis zu 2000 Eier kann sie täglich ablegen, wenn sie von ihrem Hofstaat entsprechend mit energiereichem Futtersaft versorgt wird. Ist ihr Volk mit ihr zufrieden, bleibt sie bis zu drei Jahren im Brutgeschäft, weil dann die Leistungskraft nachlässt.

(sabi)