Kamp-Lintfort: Schwelgen in Erinnerungen - mit dem "Beat Club"

Kamp-Lintfort: Schwelgen in Erinnerungen - mit dem "Beat Club"

Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel gastierte in der Stadthalle mit einer Hommage an die Bremer Kultsendung.

Für viele ältere Fernsehzuschauer war es ein Unding: "Schande!", war noch einer der netteren Kommentare, die folgten, nachdem "Radio Bremen" am 25. September 1965 zum ersten Mal eine "Live-Sendung von jungen Leuten für junge Leute" namens "Baet-Club" über den Bildschirm flimmern ließ. Hämmernde Schlagzeuge, langhaarige Sänger und eine junge Moderatorin in einem Rock, der gerade mal ihre Pobacken bedeckte: Sowas kann doch keine Kultursendung sein, hieß es damals. War es aber. Und zwar eine, die vielen offenbar noch heute in sehr angenehmer Erinnerung geblieben ist.

So war es denn nicht verwunderlich, dass die Kamp-Lintforter Stadthalle nahezu voll besetzt war, als das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel dort am Freitag mit einer nostalgischen Erinnerungsrevue der einstigen Bremer Kultsendung gastierte. Dabei ließ das aus insgesamt zwei Sängerinnen, fünf Sängern und einer siebenköpfigen Band bestehende Ensemble gut zwei Stunden lang das musikalische Lebensgefühl der legendären 68er-Generation wieder aufleben.

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"Bremen goes to London. Dies ist unser erster und letzter deutscher Song in dieser Sendung. Ab jetzt geht es nur noch in Englisch weiter", verkündete dazu eine muntere Wiedergabe der einstigen Moderatorin Uschi Nerke, nachdem die Truppe den Oldie-Reigen mit dem seinerzeit berühmten Hit "Halbstark" der eigentlich aus Bremen stammenden Gruppe "The Yankees" eröffnet hatte.

Und so geschah es. Von diesem Moment an wurde in der Tat nur noch englisch gesungen, was natürlich daran lag, dass die meisten Top-Eins-Hits in den 1965ern aus England oder den USA kamen. So waren bereits im ersten Teil der Revue unter anderem die "Kinks" mit ihrem legendären Transvestiten-Song "Lola", der furiose Gitarrist und Sänger Jimmy Hendrix mit "Hey Joe", die "Stones" mit "Jumping Jack Flash" und "The Who" mit "Pinball Wizard" dabei. Dazu schlüpften die Darsteller immer wieder in glänzende Schlaghosen, indische Flatterkleider und zelebrierten eine geradezu atemberaubende Perücken-Orgie aus glatten Pilzköpfen, Lockenköpfen und wilden Afrolook-Frisuren. Und nach der Pause ging es dann noch mal ein Stück wilder weiter. Dort holte Sänger Patrick Sühl mit seiner vehementen Interpretation des Deep Purple-Songs "Highway Star" das sowieso schon begeistert mitzappelnde Publikum endgültig von den Stühlen.

(lang)