Kamp-Lintfort: Schüler lernen Altenheim-Leben kennen

Kamp-Lintfort: Schüler lernen Altenheim-Leben kennen

Einmal die Woche besuchen 15 Schüler das Altenheim St. Hedwig, um mit den Bewohnern spazieren zu gehen, zu sprechen und zu spielen. Seit Montag absolvieren zwölf Zehntklässler dort eine Praktikumswoche.

In Alpen gibt es das Generationenprojekt bereits seit 2010. Zunächst Real- und jetzt Sekundarschüler besuchen einmal die Woche Bewohner des Martinsstiftes, um mit ihnen spazieren zu gehen, zu sprechen und zu spielen. Seit den jüngsten Sommerferien gibt es ein solches Generationenprojekt auch in Kamp-Lintfort. 15 Sekundarschüler besuchen einmal in der Woche Bewohner des Caritas-Hauses St. Hedwig. Sie spazieren zusammen durch den Park am Seniorenheim, pflanzen zusammen Tulpenzwiebeln in ein Hochbeet, erzählen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten, gehen zusammen einkaufen oder spielen Mensch-ärgere-dich-nicht.

Anders als in Alpen hat sich aus dieser Werkstatt, wie sie in Kamp-Lintfort heißt, schnell eine Kooperation mit weiteren Projekten entwickelt. Diese soll dauerhaft sein, wie Barbara Mennekes als Leiterin der Europaschule und Dörthe Krüger als Leitern des Caritas-Hauses gestern betonten. Da stellten sie die Projekte vor, die sich seit dem vergangenen Jahr entwickelt haben.

So ist ein Europaschüler seit Ende August gleichzeitig Praktikant im Altenheim, das an der Sandstraße nahe dem St. Bernhard Hospital liegt. Im Landesprojekt "Kein Abschluss ohne Anschluss", welches das Landesprojekt "Beruf und Schule" abgelöst hat, besucht Ricardo Glaeser vier Tage die Europaschule und einen das Caritas-Haus. Dort wird der Langzeitpraktikant von den Sozialarbeiterinnen Sara Brünnen und Sabine Vermeulen begleitet. "Die Bewohner lernen eine ganz andere Generation kennen, positiv kennen", berichtet Marianne Otto als geschäftsführende Vorsitzende des Heimrates. "Die Bewohner erzählen gerne von den Besuchen der Schüler."

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Positiv sei bei den Bewohnern auch angekommen, als sie beim letzten Tag der Offenen Tür der Europaschule von den Schülern persönlich abgeholt worden seien. Am Montag begann ein weiteres gemeinsames Projekt. Es ist ein einwöchiges Generationentreffen. Von Montag bis Freitag besuchen zwölf Zehntklässler während der Unterrichtszeit das Caritas-Haus. Zum einen lernen sie das Leben der Bewohner kennen, wie die Werkstattschüler, die teilweise dieselben sind. Zum anderen erfahren sie etwas über sich selbst, wenn sie ihre eigenen Charaktereigenschaften in die Umrisse ihrer Körper eintragen oder über ihre Erwartungen und Perspektiven nachdenken.

"Ich will hier Pflegefachkraft werden", sagt zum Beispiel Medine Oguz. Die 15-Jährige sprach am Montagnachmittag mit Dörthe Krüger über die Ausbildung, die sie im August beginnen will. "Durch Ausbildung sichern wir unsere Zukunft", sagt sie neue Leiterin des Caritas-Hauses mit Blick auf die sieben Auszubildenden, die Jahr für Jahr im Altenheim mit 89 Bewohner und 80 Mitarbeitern neu beginnen.

Ein weiteres Projekt planen die Kooperationspartner für den April. Dann sollen beim Girl- and Boys-Day Europaschüler einen Tag lang das Caritas-Haus besuchen. "Wir brauchen auch männliche Pfleger", betont Marianne Otto.

(got)
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