Schüler in Kamp-Lintfort wollen 2019 Gedenkminute einlegen.

Schule in Kamp-Lintfort: Klatschmohn fürs Kriegsgedenken

Zwölf Gymnasiasten besuchten die Erinnerungsfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs in Durham in Nordengland. Sie bringen Ideen mit, in Kamp-Lintfort die Erinnerungskultur an Krieg und Leid zu erneuern.

Als am 11.11. um 11.11 Uhr zwölf Schüler des Georg-Forster-Gymnasiums in der Kathedrale von Durham standen, regnete 20.000 rote Blätter von den Balustraden. „Wenn die Deutschen mit Konfetti den Karneval starten, gedenken die Briten mit Poppies, roten Klatschmohnblättern, dem Ende des Ersten Weltkriegs“, erzählt Englisch- und Geschichtslehrerin Natascha Spitzer. „Mit zwei Minuten der Stille und des Schweigens blicken sie auf Krieg und Leid zurück. Sie haben eine ganz andere Erinnerungskultur als die Deutschen.“ Für sie wie für ihre Schüler war es ein bewegender Moment, beim Rembrance Day, dem Erinnerungstag, in Durham, der Hauptstadt des Partnerkreises des Kreises Wesel in der Nähe von New Castle, dabei sein zu können. War doch vor 100 Jahren, am 11. November 1918, der Erste Weltkrieg, der so viel Opfer hatte wie kein Krieg zuvor, mit einem Waffenstillstand beendet worden. Während dieses Weltkrieges, der 1914 begann, war der rote Klatschmohn im Vereinigten Königreich ein Symbol für Soldaten geworden, die blutig auf Schlachtfeldern sterben.

„Das hängt mit Gedichten über die Schlachtfelder in Flandern zusammen“, erzählt Gregory Govor, der wie die anderen Schüler den Projektkurs Englisch-Geschichte besucht und in eineinhalb Jahre sein Abitur ablegen will. „Poppy, Mohn, ist durch diese Gedichte im Vereinigten Königreich ein Zeichen für die Opfer aller Kriege geworden. Briten tragen vor dem Rembrance Day Poppies als Zeichen, zum Beispiel angesteckt am Revers eines Jacketts. Einige kleben sogar Poppies auf ihre Autos. Im Vereinigten Königreich ist eine rote Poppy die Blume, die das Gleiche symbolisiert wie in Deutschland das blaue Vergiss-Mein-Nicht.“ So hatte Natascha Spitzer die fünf Tage, die die Schüler vom 7. bis 12. November in Nordengland verbrachten, unter das Motto gestellt: „Poppies And Forget Me Nots“. In mehreren Projekten mit der Park View School in Chester-le-Street, einem Stadtteil von Durham, beleuchteten die Schüler das Motto. Eines davon war ein Kunstprojekt, bei dem britische und deutsche Schüler mit Lasertechnik rote Poppies auf zwei Glasscheiben „malten“. Die Eichenrahmen beschrifteten sie mit Textausschnitten von Feldpostbriefen, die britische und deutsche Soldaten an ihre Geliebten und Frauen, Mütter und Väter schrieben. „Ihre Gefühle gleichen sich“, erzählt Schülerin Rabea Schulz über diese Briefe. „Angst, Leid und Tod sind überall gleich.“ Ein Poppybild hängt jetzt in der Park View School, ein anderes soll demnächst im Georg-Forster-Gymnasium einen Platz finden, um die Reise zu dokumentieren, die komplett von der UK-German Connection finanziert wurde, einer Stiftung der Deutschen Botschaft für Schülerbegegnung. Das soll spätestens am 26. Januar der Fall sein, wenn das Gymnasium in Kamp-Lintfort ab 10 Uhr zu seinem Tag der Offenen Tür einlädt.

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Dann sollen Besucher auch Bilder und Texte der Reise sehen können, die die Schüler fest in ihrer Erinnerung haben und über die die Tageszeitung in Durham genauso berichtete wie der britische Radiosender BBC. „Der Geist von Versöhnung und Freundschaft war zu spüren“, sagt Gregory Govor, der bei der dreistündigen Gedenkfeier in der Kathedrale in Durham eine Friedensbotschaft sprechen durfte.

Die Schüler haben auf Instagram unter „poppiesandforgetmenots“ eine Seite „1918 – 2018 – Gemeinsam gegen das Vergessen eingerichtet“. Außerdem wollen sie am Montag nach dem Volkstrauertag 2019 am Gymnasium eine Gedenkminute für Versöhnung und Freundschaft einlegen.

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