Schöner wohnen auf Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort: Schöner wohnen auf Friedrich Heinrich

Wohnraum für bis zu 3000 Menschen soll auf dem ehemaligen Zechenareal entstehen. Ein städtebauliches Konzept liegt jetzt vor.

Nicht nur die Planung für die Landesgartenschau 2020 läuft auf Hochtouren. Im Rathaus denkt man seit langer Zeit auch intensiv darüber nach, was nach der großen Blumenschau mit dem alten Zechengelände passieren soll. Auf 15 Hektar Fläche wird zwischen Friedrich-Heinrich-Allee und dem neuen „Central Park“ der Stadt ein neues Wohnviertel entstehen. Jetzt liegt dazu ein Bebauungskonzept vor. Es handelt sich um den Siegerentwurf aus einem Wettbewerb, an dem zehn Teams aus Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern teilgenommen haben. Gewonnen hat eine Arbeitsgemeinschaft der Büros O & O Baukunst Köln, New Architekten Dortmund und Kraft.Raum Krefeld.

Die Planer setzen weniger auf Einfamilienhäuser, von denen es lediglich im südlichen Teil des Geländes einige geben soll. Statt dessen haben sie große drei bis viergeschossige Wohnanlagen entworfen, die als Vierecke angelegt sind und jeweils über große Innenhöfe verfügen. Bis zu 100 mal 1000 Meter kann so ein „Viereck“ groß sein. In den Innenhöfen wird es kleine Grünparzellen für die Parterre-Wohnungen geben. Vor allem aber dienen die Innenhöfe als Parkraum für die Autos der Bewohner. Um die Optik zu verschönern, sollen die Stellplätze Pergola-Dächer erhalten.

Eine „ehrliche Lösung“ der Stellplatzfrage nannte dies am Freitag der Kölner Architekt Jürgen Minkus, der zusammen mit anderen Fachleuten, Vertretern der Stadt und der RAG Montan Immobilien zur Jury gehörte. Der Bau von Tiefgaragen auf dem Zechengelände scheide aus, und „Hochgaragen“ (Parkhäuser) seien unschön.

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Überzeugt haben die Jury auch die Vorschläge für die Bebauung entlang der Friedrich-Heinrich-Allee, wo einige der alten Bergwerksgebäude stehenbleiben. In gleicher Flucht soll die Reihe der „Bestandsgebäude“ um neue Häuser mit einer besonderen, repräsentativen Architektur ergänzt werden. Dort könnten Wohnungen, ein Hotel, Räume für die Hochschule, Ateliers oder kleineres Gewerbe entstehen. Der Entwurf öffentlicher Grünbereiche zählte nicht zu den besonderen Aufgaben der Planungsbüros. Schließlich werden die Wohnungen in direkter Nachbarschaft zu einem großen Park liegen.

„Beauty and the Beast“ – die Schöne und das Biest – habe die Planer ihren Entwurf für das Viertel genannt, das 1000 Wohneinheiten für rund 3000 Menschen bieten soll. Der Name sei eine Anspielung auf den schönen Niederrhein auf der einen und das „Montanerbe“ der Stadt auf der anderen Seite. Christian Heuchel (O & O Baukunst) riet dazu, die Umsetzung des Konzepts nicht auf die lange Bank zu schieben, „bis man nicht mehr weiß, was man eigentlich wollte“. Bürgermeister Christoph Landscheidt zeigte sich entschlossen, keine „zehn oder 20 Jahre“ zu warten. Die RAG als Eigentümer des Geländes stehe „voll und ganz hinter dem Modell“. Wie die Vermarktung der Immobilien läuft, bleibt abzuwarten. Zurzeit ist die Nachfrage nach Einfamilienhäusern groß. Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien, zeigte sich zuversichtlich. „Die Leute wollen keine 400 Quadratmeter großen Gärten, die sie dann pflegen müssen.“ Auf dem alten Niederberg-Gelände in Neukirchen-Vluyn seien neben Villen auch Mehrfamilienhäuser entstanden. Die Nachfrage sei „grandios“ gewesen.

Was die Zeitachse für das neue Wohnquartier Friedrich Heinrich angeht, wies Conrad auf die flotte Entwicklung der Hochschule, des Logistikzentrums Logport IV oder auch des Kino-Projekts in der Stadt hin. „Kamp-Lintfort ist ein Beispiel für Schnelligkeit“.

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