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Sandra Nierfeld leitet den Rückbau des Bergwerks West

Kamp-Lintfort : Sie treibt den Zechen-Rückbau voran

Sandra Nierfeld hat auf dem ehemaligen Bergwerk West die Projektleitung für den Rückbau und die Entwicklung des Areals übernommen. Im Herbst will die RAG MI einen Teil des Landschaftsbauwerks an die Stadt übergeben.

Sandra Nierfeld lässt den Blick über das einstige Areal des Bergwerks West schweifen. Die alten Gebäude im rückwärtigen Teil sind weitestgehend abgerissen, und auf dem Landschaftsbauwerk sprießt schon das Grün. „Das hat sich wohl selbst ausgesät“, sagt die 33-Jährige lächelnd. „Das Gelände verändert sich aber deutlich. Hier sieht es Woche für Woche anders aus“, sagt Sandra Nierfeld, während überall Bagger dröhnend ihre Arbeit verrichten. Sie hat vor einigen Wochen für die RAG Montan Immobilien die Projektleitung für Rückbau, Entwicklung und Vermarktung des 40 Hektar großen Zechenareals im Herzen Kamp-Lintforts übernommen. Zuletzt war sie im östlichen Ruhrgebiet tätig und hat dort den Rückbau der Zeche Haus Aden, Grimberg in Bergkamen und des Bergwerks Ost in Hamm begleitet. In Kamp-Lintfort hat sie mit dem Bergwerk West nun erstmals die Federführung inne: „Jede Fläche ist anders. Es müssen immer wieder neue Lösungen gefunden werden. Das finde ich spannend“, sagt sie. Die Entwicklung von ehemaligen Bergwerksflächen sei ein komplexes Thema.

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„Man muss sich immer wieder in neue Themen reinfuchsen.“ In Kamp-Lintfort waren es zum Beispiel der Denkmalschutz, aber auch der Artenschutz. „Hier hat ja ein Uhu-Pärchen genistet“, erzählt sie. Sandra Nierfeld ist bereits seit 2006 bei der RAG Montan Immobilien. Sie absolvierte bis 2009 ihre Ausbildung zur Immobilienkaufrau, studierte nebenher Wirtschaft und Management. „Nach der Ausbildung bin ich direkt ins Flächenmanagement gewechselt, also in die Entwicklung der alten Zechenstandorte in der Region.“ Mit dem Bergbau habe sie bis zu ihrer Ausbildung wenig zu tun gehabt, erzählt sie. Ihr Großvater arbeitete aber  auf einer Zeche. „Als ich selbst zum ersten Mal untertage war, habe ich ihm großen Respekt gezollt.“

Auf dem ehemaligen Bergwerk West hat Sandra Nierfeld zwar ein Büro, ihr Arbeitsplatz ist aber auf Zollverein in Essen. Ihr Beruf sei sehr abwechslungsreich, sagt sie. „Meine Aufgaben reichen von A bis Z. Wir begleiten schon den Rückzug, wenn die Kohleförderung eingestellt wird, und kommen richtig ins Spiel, wenn die Fläche aus der Bergaufsicht entlassen werden soll.“ Altlastensanierung, Rückbau der Gebäude, die Sanierung des Grundwassers gehören ebenso dazu wie die Folgeentwicklung und die Vermarktung künftiger Wohngrundstücke. „Bis zum allerletzten Quadratmeter. Die Fläche an der Friedrich-Heinrich-Allee schreit ja geradezu danach, ein Wohnquartier zu werden – mit dem Park, dem groß geplanten Quartiersplatz und dem Schirrhof, auf dem eine neue Kindertagesstätte entsteht.“

Doch so weit ist es noch nicht. Um für die ausgewählten Flächen Baurecht zu schaffen, muss der Boden aufbereitet, neue Straßen und eine neue Entwässerung geschaffen werden. „Eine solche Entwicklung bedarf des Schulterschlusses aller Beteiligten. Es müssen alle an einem Strang ziehen. Denn wir wollen ja 2020 die Landesgartenschau eröffnen.“ Daher steht Sandra Nierfeld im ständigen Austausch mit der Stadt. Im Herbst will die RAG MI eine erste Teilfläche des Landschaftsbauwerks an die Laga GmbH übergeben.

„Es bedarf ja zwei Pflanzperioden, damit das Grün wächst.“ Auf dem ehemaligen Zechenareal an der Friedrich-Heinrich-Allee findet vieles gleichzeitig statt: Es gibt eine Entwässerungsbaustelle. Es werden neue Kanäle verlegt. Die Lineg renaturiert die Große Goorley. Außerdem wird eine neue Grundwasserreinigungsanlage gebaut. „Dafür wird ein neues Gebäude errichtet.“ Thema Nummer eins sei zurzeit zwar die Landesgartenschau, sagt Nierfeld. Sie blickt aber schon mit Spannung auf die Zeit danach: Dann entsteht das Stadtquartier Friedrich Heinrich. Die Grundstücke werden bis dahin zur Baureife gebracht, die Vermarktung startet. Die Stadt hatte einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt. Im September kommt eine Jury zusammen und sucht den besten Entwurf. Fünf bis zehn Jahre nach der Laga soll auch das neue Stadtquartier entwickelt sein.

Die Sanierung des Kamp-Lintforter Zechenareals soll im ersten Quartal 2019 abgeschlossen sein. „Wir möchten aber schon Ende des Jahres fertig werden“, hat sich Sandra Nierfeld vorgenommen.