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Protest in Kamp-Lintfort: "Mit uns ist kein Kies zu machen"

Demo in Kamp-Lintfort : Protest: „Mit uns ist kein Kies zu machen“

Die Bürgerinitiativen, die sich gegen den Kiesabbau am linken Niederrhein wehren, haben am Mittwoch zur Demo aufgerufen. Parallel dazu war die Abgrabungskonferenz des Regionalverbandes Ruhr als Planungsbehörde angesetzt.

„Mit uns ist kein Kies zu machen“, ruft Roland Nolte von der Bürgerinitiative „Mitgestalten NV“ ins Mikrophon. Immer mehr Bürger stimmen mit ein. Sie halten Plakate mit klaren Botschaften hoch. Darauf steht: „Aufstehen gegen den Kiesabbau“ oder „Es reicht – keine Landvernichtung für den Abbau von Kies.“ Während der Regionalverband Ruhr (RVR) in Essen in einer Abgrabungskonferenz den neuen Entwurf des Regionalplans vorstellen wollte, erhob sich am Mittwoch auf dem Karl-Flügel-Platz in Kamp-Lintfort der Protest.

Die Bürgermeister der vier am linken Niederrhein vom Abbau betroffenen Kommunen, Ralf Köpke (Neukirchen-Vluyn), Dietmar Heyde (Rheinberg), Thomas Ahls (Alpen) und Christoph Landscheidt (Kamp-Lintfort) stellten sich erneut auf die Seite der im Kampf gegen die Auskiesungspläne aktiven Bürgerinitiativen. Dass die Demonstration zeitgleich zur Konferenz stattfinden sollte, war bewusst so organisiert. „Wir sehen das gewählte Verfahren kritisch“, betonte Simone Spiegels, Sprecherin des Niederrheinappells. „Wir erkennen diese Konferenz nicht als legitime Bürgerbeteiligung an“, erläuterte Roland Nolte. Der Neukirchen-Vluyner, dessen Hof mitten in einem geplanten Auskiesungsgebiet liegt, berichtete, wie wenig er sich als betroffener Bürger vom RVR mitgenommen gefühlt habe. „Ich habe bis heute kein offizielles Schreiben. Man fühlt sich degradiert“, erklärte er.

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Ralf Köpke, Bürgermeister in Neukirchen-Vluyn, kritisierte die Haltung des Regionalverbandes Ruhr. „Die Stadtverwaltung hat versucht, frühzeitig mit dem RVR Kontakt aufzunehmen. Unser Gesprächsangebot wurde aber abgeblockt.“ Er sieht die Bürger in Neukirchen-Vluyn hinter sich. „Wir stehen dagegen auf und haben uns juristische Beratung gesucht“, betonte er. Die Forderung der Bürgermeister und Bürgerinitiativen, in Kamp-Lintfort ist eine neue aktuell in Gründung, bleibt dieselbe: „Wir sind nicht einverstanden damit, wie hier der Kies abgebaut wird. Wir kämpfen dafür, dass der Abbau reduziert wird“, betonte Simone Spiegels. „Wir wollen ein Ausstiegsszenario. Bauen ist keine Argument dafür, dass eine Kulturlandschaft zerstört wird.“ Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt hielt dem RVR Arroganz vor: „Er weist zuerst Hunderte von Hektar aus und lädt uns dann ein, unsere Meinung zu sagen.“ Landscheidt erinnerte an ein in Auftrag gegebenes Gutachten, das aufgezeigt habe, dass der Landesentwicklungsplan in einigen Punkten rechtswidrig sei. Und er kündigte an, jeden Planungsschritt auf Seiten des RVR beklagen zu wollen. Der Rheinberger Bürgermeister Dietmar Heyde hob hervor, dass der Kreis Wesel im nächsten Jahr Ökomodellregion werden solle: „Für die Ökolandwirtschaft benötigen wir aber wertvolle Flächen.“ Der Alpener Bürgermeister Thomas Ahls zeigte sich davon überzeugt, dass das Oberverwaltungsgericht in Münster nicht an der Klage des Kreises Wesel und der beteiligten Kommunen vorbeigehen könne. Diese wurde allerdings bis heute nicht verhandelt.