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Premiere: Radtour zur Industriekultur in Kamp-Lintfort.

Aktion in Kamp-Lintfort : Premiere: Radtour zur Industriekultur

Der 28. Niederrheinische Radwandertag stand unter dem Motto „Kultur und Natur“. In Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn wurde auch eine Tour zur Bergbaugeschichte angeboten. Zahlreiche Museen verzichteten auf den Eintritt.

Am Sonntag „erfuhren“ 60 Radler die Bergbaugeschichte am linken Niederrhein. Nachdem sie am Prinzenplatz gestartet waren, radelten sie durch die Lintforter Siedlung, in der einst die Kumpel mit ihren Familien gelebt hatten. Dann erreichten sie den Lehrstollen des Bergwerkes Friedrich-Heinrich. 30 Radler wurden von Uwe Kottwitz durch die Untertagewelt geführt, während Norbert Ballhaus die anderen 30 als Vorsitzender der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein über die Aktivitäten auf dem zukünftigen Gelände der Landesgartenschau informierte, bis dann die Gruppen wechselten.

Auf der neuen Tour wurde auch der Lehrstollen auf dem ehemaligen Bergwerks West angefahren. Foto: Peter Gottschlich

Diese Tour war neu im Programm des Radwandertages. 2017 hatten die Freien Radler Niederrhein, die aus Kamp-Lintfort kommen, beim Radwandertag erstmals eine geführte Radtour angeboten. 25 Radler hatten sich dieser Runde angeschlossen. Es war die erste geführte Radtour beim Radwandertag, an dem sich 63 Städte und Gemeinde zwischen Geilenkirchen, Schermbeck und Millingen am Rhein beteiligen. Die Idee fand schnell ihre Nachahmer. Diesmal boten vier Städte Themenrouten an. Neben der Tour zur „Industriekultur am Niederrhein“ in Kamp-Lintfort startete in Erkelenz eine geführte „Schloss- und Klosterroute“. Wassenberg bei Heinsberg bot eine Runde „Kleine Kulturgeschichte entlang der Grenze“ an, Krefeld eine „Bauhausroute“, die allerdings nicht geführt waren. Ferner konnten Radfahrer mit ihrer Startkarte kostenlos Museen besuchen, zum Beispiel das Moerser Schloss. Da die Touren, in denen die Radler Landschaft und Kultur verbinden können, in den letzten Jahren zugenommen haben, stand der 28. Radwandertag unter dem Motto „Kultur in der Natur“. „So einen Andrang wie diesmal hatten wir noch nie beim Start“, freute sich am Sonntagmorgen Sandra Kadesreuther. „Es waren weit über 100. 60 haben die geführte Tour gewählt. Einige sind dazu extra aus Meerbusch und Kempen angereist. Im Laufe des Tages sind noch viele hinzugekommen.“ Als Mitarbeiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Tourismus koordinierte sie den Radwandertag. Zusammen mit den Freien Radlern Niederrhein hatte sie die Idee, in Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn eine Tour zur Industriekultur anzubieten. Beide Städte besitzen viele Punkte der Bergbaugeschichte, die Radler bei einer 36 Kilometer langen Tour nicht alle anfahren und erklärt bekommen können, wenn sie nur einen Tag unterwegs sind. Sie stiegen zum Beispiel die Himmelsleiter zur Halde Norddeutschland empor, um über die niederrheinische Landschaft zu schauen. Oder sie fuhren an den Fördertürmen der Zeche Niederberg und dem eisernen Bergmann von Anatol Herzfeld und Frank Merks vorbei. Weil es den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte, verzichteten sie darauf, sich die Häuser der Alten und Neuen Kolonie zeigen zu lassen, die zu den weitläufigsten Arbeitersiedlungen im Stil des Backsteinexpressionismus zählen. Die meisten Radler hätten sich am Ende der Tour gewünscht, den großen Förderturm des Lintforter Bergwerkes hinaufzufahren, um so über das Bergwerksgelände schauen zu können, das sich zurzeit zum Landesgartenschaugelände umwandelt. „Auf den Turm kann man aber erst im nächsten Jahr zur Laga fahren“, sagte Ralph Grützmacher als Sprecher und Tourenleiter der Freien Radler Niederrhein. „Kommen sie im nächsten Jahr zur Landesgartenschau wieder.“