Kabarett in Kamp-Lintfort Pointe auf Pointe – oder alles im Fluss bei Urban Priol

Kamp-Lintfort · Sein Publikum hatte der Kabarettist im Sturm erobert. Wortgewaltig, kritisch mit nachdenklichem Unterton analysiert er die Lage der deutschen Nation.

 Der Kabarettist Urban Priol gastierte in der Stadthalle.

Der Kabarettist Urban Priol gastierte in der Stadthalle.

Foto: Norbert Prümen

Urban Priol ist zurück auf der Bühne. Er freut sich sichtbar über den Applaus, der ihn gleich zu Beginn seines Auftritts warm überschüttet. Endlich nimmt das kulturelle Leben wieder an Fahrt auf. „Welch ein schönes Geräusch“, meint er mit Blick auf die gefüllten Reihen der Stadthalle. Er legt umgehend los und konstatiert den Krisenmodus in Deutschland.

Eine Krise jagt die nächste. Jetzt beschwören Experten eine neue Inflation. Den wandelnden Popeys mache der knapp werdende Spinat Sorge, Klimaschützern der Klimawandel. Corona mit Lockdowns habe das Krisengeschehen befeuert. Schon jetzt würden Stimmen laut, die für den Herbst die nächste Krise befürchten, wenn in München das weltgrößte Volksfest gefeiert werde. Deutschlands Spezialität sei, sich auf Krisen vorzubereiten und schon jetzt über die Zahl der Intensivbetten nachzudenken.

„Corona ruht sich nur aus“, so Priol. Er nimmt Anlauf, redet sich warm, hetzt über die Bühne. Dabei stehen dem Augsburger die Haare zu Berge. Eben alles im Fluss, wie auch der Titel seines Programms lautet. Die Querdenker kommen ihm gerade recht, wie auch Waldorflehrer und die Globuli-Fraktion. Ähnlich wie bei Kabarettisten-Kollegen sorgte Corona bei Priol für eine Bühnenpause. Sein Programm, mit dem er bereits 2020 startete, füllt er mit aktuellen Beobachtungen und Ereignissen, wie dem Ukrainekrieg. Kanzler Scholz ist folglich in seiner zögerlichen Haltung der nächste, den er ins Visier nimmt. Das Publikum reagiert mit spontanem Applaus. Stoff hat Priol zur Genüge.

Für Außenministerin Annalena Beerbock bricht er eine Lanze und schlägt die Brücke zu Politikern wie Laschet, Söder und Merz, moniert die „inhaltslose Raute“ von Altkanzlerin Merkel. Er spricht sich gegen den Genderwahn aus. „Kennen Sie die weibliche Form von Mohr?“, fragt er. „Möhre“, so seine Antwort. Er weist auf die Knackpunkte einer aberwitzigen Diskussion in der Alltagssprache hin, wie Schwarzfahren, Schwarzgeld oder Schwarzarbeit. Mit deutschen Schlagergrößen wie Roberto Blanco oder der verstorbene Roy Black schlägt er ein noch anderes Kapitel auf. Becker, Wendler wie Pflaume liefern ihm die weitere Munition. Urban ist Meister der Parodie, wenn er stimmlich Altkanzler Schröder oder Bayern-Chef Söder zu Wort kommen lässt. Redet sich Urban Priol in Rage? Wohl kaum.

Seine scharfen wie wortgewaltigen Gags treffen den Kern. Er nennt die Dinge beim Namen, setzt sie pointiert in Szene, ordnet sie neu. Demokratie ist echte Arbeit, so sein Fazit. Er bemüht dabei auf humorvolle Weise die griechische Welt der Götter, die Verwandlungsfähigkeit von Zeus. Trotz aller Krisen und der Prozesshaftigkeit, bleibt für ihn eines sicher, die Welt bleibt im Fluss.

Beim Publikum reift nach fast zweieinhalb Stunden Programm die Erkenntnis, dass sich der Ernst der Lage und manche Krise kurzzeitig vergessen lassen. Urban Priol hat die komplexe Ausgangslage kurzerhand neu sortiert und ihr zumindest für den Augenblick Fließfähigkeit gegeben. Mit Applaus belohnte das Publikum den Kabarettisten.

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