Physiotherapeuten eröffnen neues Trainingszentrum in Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort : Menschen zu Alltagsathleten machen

Die Physiotherapeuten Marcos Galli und Andreas Claßen möchten Patienten für ihre eigenen Körper sensibilisieren. Nach der Physiotherapie im Leistungszentrum Niederrhein eröffnen sie am 17. November ein Trainingszentrum.

„Use it or loose it“ – Marcos Galli schmunzelt, wenn er diesen Spruch der Physiotherapie zitiert, der nicht nur für die Muskulatur, sondern für den ganzen Menschen gilt. „Wer rastet, der rostet“, übersetzt der 34 Jahre alte Physiotherapeut diesen Spruch. „Andersherum ist der menschliche Körper extrem anpassungsfähig.“ Mit dem 36 Jahre alten Physiotherapeuten Andreas Claßen hat er sich zum Ziel gesetzt, Menschen zu „Alltagsathleten“ zu machen, sie zu mehr Bewegung zu animieren und für ihren Körper zu sensibilisieren.

Im Leistungszentrum Niederrhein, das sie im Oktober an der westlichen Moerser Straße schräg gegenüber dem Action-Markt eröffneten, setzen sie neben Physiotherapie und Muskelaufbautraining auf Kommunikation, um dieses Ziel zu erreichen. „Wenn Patienten mit einem Rezept zweimal in der Woche hier sind, sind sie ein Prozent der Zeit hier und 99 Prozent nicht“, sagt Andreas Claßen. „Nur wenn die Patienten verstehen, warum sie welche Übung machen, können sie ihre Gesundheit verbessern. Verstehen hilft heilen. Patienten sollen sich zu Therapeuten für sich selbst entwickeln.“

Mit diesem Wissen sollen Patienten zusammen mit Therapeuten ein aktives, individuelles Training entwickeln. „Wir setzen auf funktionelles Training, damit der Übertrag in den Alltag deutlich größer ist“, sagt Marcos Galli. Für die Patienten stehen im Trainingsraum, einer Halle mit 900 Quadratmeter, die sich acht Räumen der Physiotherapie anschließt, Geräte bereit, zum Beispiel eine Himmelsleiter, ein 17 Meter langes Multifunktionsgerüst oder Seilzüge mit Luftdruck. Aber sie sollen vor allem mit freien Übungen, für die sie keine Geräte benötigen, ihre Muskulatur verbessern.

Dabei sollen sie die Signale des Körpers wahrnehmen. „Schmerz ist ein Alarmsignal“, sagt Marcos Galli. „Er zeigt an, dass es so nicht mehr weitergeht. Es muss sich etwas ändern. Schmerz ist nicht gleich Schaden. Schmerz kann damit auch etwas Positives sein, wenn er zu Bewegung und Veränderung führt. Ein Mangel an Bewegung kann genauso zu Schmerzen verursachen wie eine Überlastung.“

Neben Patienten sollen Personen das Leistungszentrum Niederrhein besuchen, die ihre Muskulatur verbessern wollen. Das können Sportler sein, wie die Mädchen des TuS Lintfort, die in der zweiten Handball-Bundesliga auf Torejagd gehen. „Als Physiotherapeuten arbeiten wir schon sein einigen Jahren mit ihnen zusammen“, sagen die beiden Gründer, die bis zum Sommer in einem anderen Physiotherapiezentrum am Niederrhein zusammenarbeiteten. „Durch sie sind wir erst auf Kamp-Lintfort aufmerksam geworden. Wir wollten uns schon seit längerem selbstständig machen. Aber einen passenden Standort zu finden, war gar nicht so einfach.“

Neben Sportlern sollen auch Einzelpersonen, die keine Sportler sind, oder Gruppen ins Leistungszentrum kommen. „Patienten und Besucher müssen bereits sein, ihr Verhalten zu ändern“, sagt Andreas Claßen. „Das hört sich leicht an, ist aber gar nicht so einfach. Auch wir ändern uns, bringen uns immer wieder auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand. Ich bin 14 Jahre Physiotherapeut. Ich habe schon mehrmals mein Konzept verändert und Neuerungen eingebaut.“

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