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Orchester spielt in Kamp-Lintfort den Glück-auf-Marsch

Klassik in Kamp-Lintfort : In St. Josef erklingt die Hymne der Kumpel

Das Rheinpreußen-Orchester erinnerte in der Pfarrkirche musikalisch an das Bergbau-Ende in Deutschland.

Es war das traditionelle Jahreskonzert mit dem Rheinpreußen-Orchester, das am Sonntag in der katholischen Pfarrkirche St. Josef stattfand. Zwar war der Zuschauerbesuch weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben („Das ist aber leer“, sagte ein Orchestermitglied zu seinem Kollegen, beim Auftritt in der Kirche), doch hatte dies eher mit dem Wetter als mit dem Programm zu tun gehabt. Letzteres war wie immer eine Mischung aus Märschen und anderen Orchesterwerken.

Unter der bewährten musikalischen Leitung von Bernd Franken, spielte das hier in seinem traditionellen Bergmannshabitat auftretende 31-köpfige Blasorchester, darunter zwei Frauen, zwölf planmäßige Stücke und zwei Zugaben. Erst beim „Glück-Auf-Marsch“, der Hymne der Bergarbeiter als letztem Titel, setzten die Orchestermitglieder alle ihren dazugehörigen Tschako auf. So war das Schlussbild von einer im wahrsten Sinne des Wortes getragenen Feierlichkeit bestimmt.

Optisch stimmte das Konzert, doch akustisch geriet es zuweilen an die Schmerzgrenze des Hörens. Ein Blasorchester dieser Größenordnung schafft nun mal mit seiner Musik problemlos um die 95 Dezibel an Geräuschpegel. Da half die Vorwarnung des Dirigenten nur wenig, dass es beim Programmpunkt „Brasil Tropical“, einem Potpourri mit südländischen Rhythmen, laut werde.

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Neben der musikalischen Reise nach Brasilien, gab es daneben eine ins Schwabenland („Alb-Polka“) sowie eine nach Italien („Venetia-Marsch“), aber auch eine in die Welt der Walzer, der Musicals und der Operette („Wolgalied“ aus der Operette „Der Zarewitsch“ von Franz Lehár). Letztere hat das Rheinpreussen-Orchester eigens als „Solo für Trompeten und Orchester“ arrangiert

Ein weiteres Kapitel widmete das Orchester ganz dem neben James Last erfolgreichsten deutschen Komponisten nach dem Zweiten Weltkrieg, Bert Kaempfert (1923-1980), indem es ein Medley seiner schönsten Melodien spielte, darunter „Dankeschön“ und „Spanish Eyes“. Das war ganz im Sinne des anwesenden Ü60-Publikums, das dessen Blütezeit in den 1960er und 1970er Jahren bewusst miterlebte. Noch bis Ende dieses Jahres ist seitens der Deutschen Steinkohle AG (DSK), als Träger des Werksorchesters, die Funktion des Klangkörpers zur repräsentativen musikalischen Rahmengestaltung gesichert. Doch wie die Rahmenbedingungen für die zukünftige Orchesterarbeit aussehen werden, ist heute ungewiss. Und so klang die geäußerte Hoffnung, dass man sich 2019 aus gleichem Anlass an gleicher Stelle wiedersehen werde, eher skeptisch als zuversichtlich.