Oliver Estavillo stellt im Gewölbekeller Kamp aus

Kamp-Lintfort : Schonungslos böse Gemälde zur Lage

„Blickfest“ heißt die Ausstellung im Gewölbekeller des Klosters Kamp. Sie zeigt Bilder von Oliver Estavillo. Eröffnung ist Samstag.

Auf den ersten Blick wirken die Bilder von Oliver Estavillo so, als würde er die Menschen nicht mögen. Das stimmt aber nicht: Der Maler, der eloquent und spannend über seine Kunst erzählt, hält ihnen nur den Spiegel vor - und zwar schonungslos, zuweilen ziemlich böse und mit starken Farben. Das, was sie zu sehen bekommen, ist ein humorvoll-boshaftes Bild unserer heutigen Gesellschaft - in all ihrer Oberflächlichkeit. Bei ihm wird die vermeintlich Schöne zum Biest, das die Vampirzähne fletscht und einen Schlagring an der Hand trägt. Die Mänaden, die mythischen Begleiterinnen des Dionysos, steckt Oliver Estavillo ins bayrische Dirndl und lässt sie Männer verschlingen.

Es ist eine ungewöhnliche, vielleicht auch unerwartete Ausstellung, die am Samstag, 7. Juli, um 15.30 Uhr im Gewölbekeller des Klosters Kamp eröffnet wird. Die Arbeiten des Künstlers aus Fulda provozieren, sind zugleich aber wahre Hingucker. Man muss schon genau hinsehen, um die versteckten Details zu entdecken. Hier eine Alpenkulisse, dort ein Totenkopf. „Ich male keine Porträts“, sagt Oliver Estavillo. Die Figuren sind fiktiv, die Geschichten dazu ebenso. Dem Künstler geht es darum, Typen und Wesenszüge zu porträtieren, Charaktere zu personifizieren. „Wenn dann ein Besucher trotzdem in einer meiner Figuren seine Tante oder seinen Onkel zu erkennen glaubt, finde ich das wirklich lustig und amüsant.“ Unsere heutige Gesellschaft, aber auch der Tod sind die Themen des Künstlers, der mehr als 30 Jahre in München gelebt hat. Die Schickeria im Selfie-Wahn nimmt er gerne aufs Korn wie das Zickenrudel. Oliver Estavillo sagt von sich selbst, er habe ein negatives Menschenbild. „Und ich werde tagtäglich darin bestätigt.“

In den 1980er Jahren habe er brutalere Szenen in seinen Bildern dargestellt, als die, die im Gewölbekeller ausgestellt sind. „Es ging mir um die Bestie Mensch. Ich dachte damals, es könnte in der Welt nicht schlimmer kommen. Aber es geht schlimmer.“ Im Gewölbekeller hängt ein Bild, das seine Sicht auf die Entwicklung des Homo Sapiens zeigt: „Er ist vom Baum abgestiegen, jetzt klettert er wieder hinauf.“ Zu sehen sind Männer, die sich wie Affen lausen, und Affen mit Menschenköpfen, die von Ast zu Ast hangeln. Solche Metamorphosen finden sich auch in anderen Arbeiten - zum Beispiel der „Apocolocyntosis“. Hier verwandeln sich die Menschen in Kürbisse. Auch der Klerus kommt nicht so einfach davon. In dem Bild „Polka Clericorum“ tragen Saurier Bischofsgewand und Mitra. Estavillos liebstes Format ist quer. Seine Bilder sind fast immer 100 mal 160 Zentimeter groß. „So bekomme ich alles unter“, sagt der Autodidakt. Die Ideen, sagt er, stürmten plötzlich auf ihn ein. „Alles entsteht in meinen Kopf: Motiv und Farbgebung. Ich mache keine Skizzen.“

Wie der Künstler aus Fulda mit Öl auf Leinwand arbeitet können Interessierte jeweils am 12. August und 30. September, von 11.30 bis 17 live erleben. Dann malt Estavillo vor Ort. Die Ausstellung läuft bis zum 30. September.