Oliver Estavillo malt live in Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort : Künstler malt am Kloster vor Publikum

Oliver Estavillo hat sich am Sonntag beim Malen über die Schulter schauen lassen. Er hatte Spaß an der Begegnung mit seinen Zuschauern.

Oliver Estavillo hat seine Staffelei vor der Treppe aufgestellt, die hinunter zum Gewölbekeller führt. Die Ausstellung des Fuldaer Malers ist dort bereits seit dem 7. Juli zu bestaunen. Auf der Leinwand, die vor ihm steht, sind drei Köpfe zu sehen: Ein Clown mit funkelnd bösen Augen, ein Totenkopf mit einem pflaumenfarbenen Barett und ein weiterer Clown im Profil, der einen breiten Schatten wirft. „Der Clown, der jetzt noch ganz nett aussieht, bekommt ein zerfurchtes Gesicht“, erklärt der Künstler. Die Bleistiftstriche lassen bereits einige Furchen erahnen. „Warum sehen Ihre Figuren so grausam aus?“ fragt eine ältere Dame, die gerade aus der Ausstellung kommt. „Weil die Menschen grausam sind“, antwortet Estavillo.

„Ihre Maltechnik finde ich hervorragend, aber Ihre Bilder machen mir Angst“, gibt die Dame offen zu. „Nun ja, die Welt, in der wir leben, ist beängstigend“, gibt der Maler zurück. Er sehe die Welt mit Skepsis und fühle sich gedrängt, die Schattenseiten des Lebens in seinen Bildern festzuhalten. Wahrhaft dämonisch, oft wie grausame Tiere sehen die Gesichter auf den Bildern aus. Gleichzeitig spricht die Kleidung der Figuren eine andere Sprache: Schicke Anzüge oder klerikale Robe, Cocktailkleidchen und Dirndl. „Sie entlarven den schönen Schein – das habe ich verstanden“, sagt die Dame und fragt: „Verarbeiten Sie auch eigene Erfahrungen?“ Der Künstler gibt bereitwillig Auskunft: „Natürlich. Das Malen befreit und erspart mir den Psychiater.“ Er könne gar nicht anders als malen. „In gewisser Weise malen die Bilder sich selbst. Ich bin nur das Medium.“ So düster seine Bilder auch erscheinen, so freundlich und positiv steht er Rede und Antwort. Gar nicht künstlerisch abgehoben oder vergeistigt, wie man annehmen könnte. Estavillo sieht das als Kompliment. Das komme vielleicht auch daher, dass er sich nie verbogen hat. Nie habe er es einem Kunst-Professor Recht machen müssen. Denn als er sich damals an einer Hochschule bewarb, sagte man ihm: Was wollen Sie hier? Sie sind doch schon fertig als Künstler! Der Autodidakt genießt den Kontakt mit den Menschen. Zum zweiten Mal probiere er es jetzt aus, öffentlich zu malen und sich dabei beobachten und befragen zu lassen. Und es mache ihm großen Spaß.

Am 30. September gibt es bei einer Finissage noch einmal die Gelegenheit, den Künstler zu löchern und ihm beim Malen zuzuschauen.

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