Kamp-Lintfort: Neo ist der Liebling der Europaschüler

Kamp-Lintfort : Neo ist der Liebling der Europaschüler

Der Umgang mit dem Schulhund fördert das Selbstvertrauen der Mädchen und Jungen und die Gemeinschaft an der Kamp-Lintforter Schule.

Dass in Schulen Lehrer arbeiten, weiß man. Dass auch Sekretärinnen und Hausmeister in Schulen arbeiten, ist auch bekannt. Doch die Europaschule Kamp-Lintfort hat ein ganz besonderes Kollegiumsmitglied, und zwar den Australian-Shepherd-Rüden Neo. Und das auch immerhin schon seit vier Jahren. Neo ist eigentlich der Hund der Sozialpädagogin Daniela Bulut und ihrer Familie. Sie erzieht den vier jährigen Rüden und kümmert sich um ihn. So ist sie auch im regulären Schulbetrieb für ihn verantwortlich.

Wie alle anderen Mitarbeiter kommt Neo morgens, begleitet von Daniela Bulut, um halb acht und beendet seine Arbeit nachmittags gegen 16 Uhr. Er kommt aber nicht zum Spielen in die Schule. Er geht mit der Sozialpädagogin zum Beispiel in die Klassen und arbeitet dort mit den Schülern. "Schulhunde bewirken mit ihrer Anwesenheit eine positive Veränderung des Lern- und Arbeits- aber auch des Sozialverhaltens der Kinder", so Schulleiterin Barbara Mennekes. Er ist aber nicht nur im Klassenverband dabei, sondern auch bei Treffen mit einzelnen Kindern, die durch Neo möglicherweise schneller Vertrauen oder Mut fassen.

Als Schulhunde eignen sich grundsätzliche alle Hunderassen, es kommt alleine auf das Wesen des Tieres an. Es sollte ruhig, entspannt und vor allem gut erzogen sein. Neo ist zudem noch sehr fröhlich und interessiert. "Er hält Stress aus und lässt sich von Kindern nicht abschrecken. Die Erfahrungen die wir gemacht haben, zeigen uns, dass Neo auch mit komplizierten Kindern sehr gut klar kommt", sagt Daniela Bulut.

An der Schule werden in jedem Schuljahr "Neo-Buddys" (Buddy aus dem englischen; bedeutet so viel wie Partner oder Kumpel) ausgebildet. Daniela Bulut kümmert sich also nicht als einzige um den Australian Shepherd. Die ausgebildeten Schüler gehen mit Neo in den Pausen Gassi, üben mit ihm Kommandos und spielen mit ihm. Sie kümmern sich auch während der Schulzeit um ihn, wenn die Sozialpädagogin beschäftigt ist, wie zum Beispiel am Tag der offenen Tür, dann passen sie auf Neo auf. Hauptsächlich arbeiten die Buddys im AG-Bereich mit ihrem Schützling.

Neo ist auch dann eine Hilfe, wenn freche oder verhaltensauffällige Kinder über die Stränge schlagen. "Es gibt einige Kinder, bei denen man erkennen kann, dass sich ihr Verhalten im ganzen positiv verändert hat", erzählt Mennekes. "Neo schafft es, dass sich die Kinder ruhiger verhalten und nicht mehr aggressiv sind." Er ist auch dafür verantwortlich, dass einige Kinder mehr Selbstvertrauen gesammelt haben und durch die Zusammenarbeit mit ihm aufgeschlossener sind.

Die Schüler der Europaschule sind stolz auf ein so besonderes Mitglied ihrer Schule. Wenn Neo auf dem Flur unterwegs ist, scharrt sich schnell eine große Traube Kinder um den Hund und begrüßt und streichelt ihn. Neo muntert auch auf, erzählt eine Schülerin der sechsten Klasse, "Wenn es einem nicht so gut geht, dann kann man zu Neo gehen, der freut sich eigentlich immer einen zu sehen. Man kann ihn dann streicheln, dann geht es einem meistens besser." Auch die Lehrer und Lehrerinnen erfreuen sich an Neo. So ist er auch bei den Vorstellungsgesprächen der neuen Lehrer dabei, um gleich ein Gefühl davon zu vermitteln wie es ist, mit einem Hund zu arbeiten. Auf die Idee, den Hund anzuschaffen, kamen Barbara Mennekes und Daniela Bulut gemeinsam. "Neo passt gut in unser Schulprofil, da wir noch ein sehr junges System sind und schon neue Wege in Sachen Schulentwicklung gehen und auch noch gehen wollen", so die Schulleiterin Barbara Mennekes. Die Europaschule ist eine von wenigen Schulen in Deutschland, in denen es einen Schulhund gibt.

Einen Rückzugsort braucht Neo natürlich auch. Im Büro von Daniela Bulut steht eine Hundehütte, in die er kann, wenn ihm der Schulrummel mal zu viel wird. "Dann wissen wir, dass wir dann nicht zu ihm dürfen, weil er sich auch mal ausruhen muss", sagt ein Schüler aus der Gruppe der Neo-Buddys.

Neben seinen Aktivitäten in der Schule wurde Neo auch zum Personen-Such-Hund ausgebildet (englisch "Mantrailing"). Er ist also in der Lage, eine verschwundene Person an Hand einer Geruchsspur aufzuspüren. Neos Arbeitsergebnisse sind nicht zu unterschätzen. "Vor allem die Ruhe, die ein Hund wie Neo ausstrahlt, ist sehr wichtig und oftmals auch sehr hilfreich bei der Arbeit mit Kindern", so Schulleiterin Mennekes. Die gesamte Schule sieht Neo als eine Bereicherung an. Er ist definitiv der Liebling der Europaschüler.

(RP)
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