Kamp-Lintfort: Nachdruck der Camper Bibel ist das Prunkstück

Kamp-Lintfort: Nachdruck der Camper Bibel ist das Prunkstück

Weihbischof Rolf Lohmann hat gestern die Heimatstube in der Mediathek besucht. Dort ist der Nachdruck ausgestellt.

Da kam selbst der Weihbischof Rolf Lohmann aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als einen besonderen Ort bezeichnete er die Kamp-Lintforter Mediathek, die mit einer Besonderheit aufwartet: eine gläserne Heimatstube mit Präsenzbibliothek. Sie vereint in den Regalen gleich drei Repräsentanten lokaler Geschichte. Das Heimatzimmer bietet die Literatursammlungen der Vereine "Europäische Begegnungsstätte am Kloster Kamp", des "Vereins Niederrhein, Ortsgruppe Kamp-Lintfort" und der "Fördergemeinschaft für Bergmannstradition". Denn dieser Dreiklang steht für ganz unterschiedliche Epochen.

Kamp-Lintfort sei zwar vom Bergbau geprägt. "Der Anfang, der vom Kloster ausging und vor Jahrhunderten mit seiner Gründung 1123 den Grundstein für Bildung legte, wird jedoch oft vergessen", sagt Bernd Weggen vom Verein Europäische Begegnungsstätte am Kloster Kamp. Schmuckstück dieser so prägenden Zeit ist der Nachdruck der so genannten "Camper Bibel", der über den Verein erfolgte. Die beiden Originalstücke sind Eigentum der Staatsbibliothek zu Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

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Gerhard Schöpkens, Verein Europäische Begegnungsstätte, ordnete die Bände in den historischen Kontext ein. In Fachkreisen werden fünf Bände der Kamper Bibel vermutet, erhalten sind zwei Bände. Dabei handelt es sich im Original um eine Abschrift des Alten Testaments als Übersetzung der Heiligen Schrift in die lateinische Sprache von Hieronymus. "Sie erleben mich voller Ehrfurcht", so Weihbischof Lohmann über die Exponate. Das didaktische Konzept, lokale Geschichte in einer gläsernen Heimatstube auf diese Art zu präsentieren, gefiel ihm. Hinzu kommen annäherend 900 allgemeinbildende Bücher zum klösterlichen Leben und Wirken, die alle digitalisiert sind und über den Katalog der Fernleihe abgerufen werden können. Für den Verein Europäische Begegnungsstätte erweist sich das Heimatzimmer als ein Glücksgriff. "Wir sind stolz auf die Präsentation", so der Vorsitzende Ewald Schwarz. Die Idee, örtliche Geschichte so transparent und verbunden mit bibliothekarischem Nutzen zu zeigen, sei Bestandteil des Mediathek-Konzeptes, sagte Beigeordneter Christoph Müllmann. Das Vorbild lieferten die Niederlande. Neben den Buchbestand erinnern weitere Exponate an die Geschichte des Bergbaus. Die dritte Abteilung belegen ortsgeschichtliche Ausstellungsstücke. Vor allem die gläserne Gestaltung des Raumes mache Geschichte im Alltag zugänglich und sorge für ihre Einbindung in die Gegenwart, lobt Lohmann. "Ein tolles Modell. Es gelingt, tief in die Region des Niederrheins reinzuschauen. Dabei offenbart sich große Kultur. Die Kirche war sehr präsent", so Lohmann, der Kamp-Lintfort schon bei verschiedenen Besuchen kennenlernte.

(sabi)