Kamp-Lintfort: Musikschule droht Zuschusskürzung

Kamp-Lintfort : Musikschule droht Zuschusskürzung

Die Kämmerei hat den Kamp-Lintforter Haushalt auf Einsparpotenziale abgeklopft, die im Zeitraum bis 2020 greifen könnten. Auf der Vorschlagsliste steht jetzt auch die Musikschule. Dort soll der Zuschuss jährlich gekürzt werden.

Der Kamp-Lintforter Haushalt ist knapp auf Kante genäht. Deshalb hat Kämmerer Martin Notthoff schon bei der Einbringung des aktuellen Doppelhaushaltes im Dezember angemahnt, dass bis 2020 weiteres Sparen notwendig ist. Erste Vorschläge, wie der Haushalt konsolidiert werden kann, sind bereits vorgestellt: die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED beispielsweise, Gebäudesanierungen, die Reduzierung des Zuschusses für die Drogenberatung. Neu auf der Vorschlagsliste der Kämmerei: die Reduzierung des städtischen Zuschusses für die Musikschule.

Musikschulleiter Martin Begall hofft, dass die vorgeschlagene Kürzung tatsächlich nur ein Vorschlag bleibt, der nicht realisiert wird. "Das würde unserer Einrichtung den Boden unter den Füßen wegziehen", sagt der Leiter der Kamp-Lintforter Musikschule. Die Einrichtung erteilt mit einem Team von 30 Mitarbeitern 250 bis 300 Jahreswochenstunden Unterricht für 1000 Musikschüler. "Wir sind mit dem Landesprogramm Jeki an den Grundschulen aktiv. Jetzt steht der Umbau auf das Folgeprogramm Jekits an. An den weiterführenden Schulen engagieren wir uns mit dem Jugendmusikprojekt Jump. Es ist Kosten- und Zeitintensiv, bis man einen solchen Apparat stehen hat", betont Martin Begall, verweist auf Kostensteigerungen und fügt hinzu: "Anstatt zu kürzen, müsste eigentlich in die Musikschule investiert werden."

Ein Gespräch mit dem Kämmerer hatte Begall noch nicht: "Der Vorschlag ist allerdings schon an mich herangetragen worden. Ich hoffe, dass die Parteienlandschaft das anders sieht. Es wäre das falsche Signal." Kämmerer Martin Notthoff erklärte auf RP-Anfrage, dass die Kürzung des Zuschusses bislang nur ein Vorschlag ist. "Wir sehen die Möglichkeit, dort moderat zu kürzen. Als Kompensation müssten die Entgelte erhöht werden", erklärt der Kämmerer. Die Liste sei erst Mitte Januar an die Fraktionen verschickt worden, berichtet Notthoff. "Ich weiß, dass es in der SPD-Fraktionen eine angeregte, kontroverse Diskussion gab." Am Ende habe der Wunsch nach mehr Information gestanden. Johannes Tuschen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, machte gestern deutlich, dass seine Fraktion die Reduzierung des Zuschusses nicht mittragen werde. "Es gab vor Jahren schon einmal den Versuch, diesen zurückzufahren. Wir haben damals dagegen vehement protestiert. Die Musikschule leistet eine so gute Arbeit. Vor allem aber ermöglicht sie Kindern aus finanziell nicht gut situierten Familien, ein Instrument zu erlernen."

Dieses Vorhaben passe auch nicht in das familienfreundliche Konzept, das sich die Stadt auf die Fahnen geschrieben habe, sagt Tuschen und erinnert daran, dass erst 2014 die Kita-Gebühren abgeschafft wurden. Der Politiker hofft, dass der Haushalt sich ab 2017 besser darstellt als heute. Tuschen: "Die geplante Ansiedlung von Logport könnte zu besseren Gewerbesteuerpunkten führen. Mehreinnahmen bringen Grundstücksverkäufe am Volkspark und an der Moerser Straße."

CDU-Fraktionsvorsitzender Simon Lisken hat erfahren, dass erste Maßnahmen aus der Vorschlagsliste erst 2017 wirksam würden. Eine Reduzierung der Musikschulzuschüsse werde die CDU nicht mitragen: "Man kann sich nicht nur einen kulturellen Punkt herauspicken", sagt er. Lisken kritisiert die Einsparvorschläge generell als "mau". "Wirkliche Einsparungen sind nicht zu erkennen", sagt er. Ihn ärgert es vielmehr, dass die Jahresabschlüsse ab 2012 noch nicht festgestellt seien.

(RP)
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