Musikalischer Flirt mit drei Instrumenten in der Orangerie in Kamp-Lintfort.

Free Jazz in Kamp-Lintfort : Musikalischer Flirt mit drei Instrumenten in der Orangerie

Das Moers Festival ist zu Ende. Immer noch gibt es Platz und Raum für einen musikalischen Nachschlag besonderer Qualität. So geschehen in der Westlichen Orangerie des Klosters Kamp mit Günter „Baby“ Sommer, Steffen Roth und dem italienischen Saxophonisten Bruno Angeloni, die auch auf dem Festival zu erleben waren, jedoch nicht in dieser Formation.

Galerist Andreas Verfürth lud zum Galeriekonzert ein. Über Rüdiger Eichholtz vom Verein Kulturprojekt Niederrhein lief das Gesamtkonzept von insgesamt drei Konzerten in Essen, Rheinberg und Kamp-Lintfort unter dem Motto „rein in den Pott“ und „raus auf Land“.

Wenige Tage zuvor war in der Orangerie eine Ausstellung eröffnet worden. Zwischen den großformatigen Fotografien machten es sich der renommierte Schlagzeuger und Percussionist Günter „Baby“ Sommer, Steffen Roth und der italienische Saxophonist Bruno Angeloni musikalisch gemütlich. Das was folgte, war vom Feinsten, „unvorhersehbar und ein Sprung ins kalte Wasser der Improvisation“, so „Baby“ Sommer. Mal als Solo, als Duo oder als Trio, ganz zur Freude des Publikums, das kaum noch Sitzplätze fand. Günter „Baby“ Sommer gilt als die Avantgarde im Freejazz und als das Urgestein in der Szene. „Baby“ Sommer und Steffen Roth kennen sich seit der Biennale 2016. Roth und Angeloni haben ein Album produziert. Zu dritt erzeugten sie Spannung, erlösten ihr Publikum aus den Klangwelten, gaben Energie ab. In ganz unterschiedliche Welten und Landschaften entführten sie. Mal fordernd, mal weich, mal zurücknehmend gaben sie den Hauch vom großen Ganzen. Das Zusammenspiel in dieser erstmaligen Konstellation erwies sich als geglückt, weil einfach die Chemie untereinander stimmte. Ein Blick genügte für den perfekten Einsatz des anderen, für den Flirt mit den Instrumenten. Aus dem Trio entwickelten sich Solopartien, dann Duette. Angeloni wechselte zwischen Saxophon und Sopran-Saxophon. Zwischen den Sets begeisterter Applaus des Publikums, das durchaus in Nostalgie schwelgte. Das Konzert, das als einstündiges Event geplant war, hatte längst den zeitlichen Rahmen gesprengt. Auf Zugabe folgte Zugabe. Lumpen ließen sich die drei nicht. „Baby“ Sommer spielt zum Schluss auf selbstgebauten Instrumenten und erhöhte damit die Klangvielfalt.

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