Musik inklusive: eine große Chorgemeinschaft in Kamp-Lintfort.

Inklusion in Kamp-Lintfort : Musik inklusive: eine große Chorgemeinschaft

In dem Kamp-Lintforter Chor singen Menschen mit und ohne Behinderung. Für April 2020 ist ein Auftritt auf der Gartenschau geplant.

Seit acht Jahren eröffnet der Kamp-Lintforter Chor „Musik inklusive“ den vorweihnachtlichen Babaramarkt in der Kattenstraße. Dennoch ist sein Auftritt dort immer wieder etwas Besonderes. Und das nicht nur, weil etwa ein Viertel der Sängerinnen und Sänger von „Musik inklusive“ Menschen mit Behinderungen sind. „Wir haben ganz einfach alle großen Spaß am Singen. Ich denke, das macht uns in erster Linie aus. Der Inklusiongedanke spielt dabei, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle“, sagt Susanne Hausmann. Die heute 58-jährige Verbundleiterin der fünf Kamp-Lintforter St.-Josef-Kindergärten hatte den Chor vor acht Jahren gegründet.

Tom, ein Jugendlicher mit Down-Syndrom aus ihrem Bekanntenkreis, wünschte sich damals nichts sehnlicher, als bei einer Band mitmachen zu dürfen, konnte aber kein Instrument spielen. Bei ihrer Suche nach einer Gesangsmöglichkeit für ihn war sie dann auf die Idee zu dem Chor gekommen. Zwölf erste Interessenten dafür gab es schon, jetzt brauchte man nur noch eine geeignete Chorleitung. Die fand Susanne Hausmann schließlich mit der Physiotherapeutin Monique Bleeck und ihrem Mann Günter Sanders gleich im Doppelpack. „Monique betreute damals die behinderten Kinder in unserer Kita ‚Kleine Oase‘, konnte also gut mit Behinderten umgehen. Darüber hinaus trat sie in ihrer Freizeit mit ihrem Mann Günter als Rock-Duo ‚Heat wave lite‘ auf und verstand somit auch was von Musik“, erinnert sich Hausmann: „Die beiden waren ein echter Glücksfall für uns und sind es immer noch. Günter spielt die Melodien auf dem Keyboard vor und Monique übt sie dann mit uns ein. Dabei lassen sie jeden in Ruhe und ohne Druck probieren, wie er damit zurecht kommt. Auch dann, wenn dabei manchmal nur Gebrumme herauskommt.“

Inzwischen hat der Chor zwischen 35 und 45 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte einen mehr oder weniger festen Stamm bilden, zu dem übrigens nach wie vor auch der heute erwachsene Tom gehört. Die anderen kommen ähnlich wie bei einem Projektchor zeitlich begrenzt zu den jeweils im Frühjahr und Herbst veranstalteten ein bis zwei Konzerten dazu. Manche bleiben danach auch. Gesungen werden vorwiegend moderne Evergreens wie John Lennons „Imagine“ oder Michael Jacksons „We are the World“, aber auch neuere Songs wie „Ist da jemand?“ von Adel Tawil oder „Wir ziehen in den Frieden“ von Udo Lindenberg. Pro Halbjahr gibt es zehn Proben, in denen der Chor jeweils vier bis fünf neue Songs einstudiert. Mitmachen kann jeder, der Spaß am gemeinschaftlichen Singen hat. Dabei freut man sich besonders über behinderte Mitstreiter, wie in diesem Jahr über vier neue aus dem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen des Landschaftsverbandes Rheinland in der Friedrich-Heinrich-Allee.

„Es ist jedesmal wieder ein Erlebnis, mit welcher Begeisterung alle bei der Sache sind“, freut sich Susanne Hausmann: „Da ist es es nicht schlimm, wenn jemandem nach einer ganz besonders gelungenen Probe schon mal das Herz überläuft. Wir sind eine tolle Gemeinschaft.“

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