Kamp-Lintfort: Moerser Wotan schickt Leo II ins Gefecht

Kamp-Lintfort: Moerser Wotan schickt Leo II ins Gefecht

Das Schlosstheater Moers ließ sich für die Inszenierung "Der Ring. Rheingold im Königssee" einen Panzer bauen.

Wotan rüstet am Königssee in Moers auf: Anstatt bei den Riesen seine Bau-Schulden zu begleichen, demonstriert der Göttervater in Ulrich Grebs Nibelungen-Inszenierung "Der Ring. Rheingold im Königssee" seine Macht und lässt einen Panzer auffahren, genauer gesagt den Leopard II. "Er ist nur 15 Prozent kleiner als das Original", betont Bühnenbildnerin Birgit Angele. Und er ist komplett aus Pappe. Einige Moerser haben das bedrohlich wirkende Gefährt schon im Rahmen der Proben gesehen. "Es hat sich aber niemand wirklich erschreckt, stattdessen entstand so manches Selfie", sagt Angele.

Wotans Moerser Götterburg liegt im Wallzentrum. "Er ist die übermächtige Vaterfigur, die man überwinden muss. Und der Ring eine Heldenreise", sagt Dramaturgin Annika Stadler. "Ein Motiv, das noch bis heute immer wieder aufgegriffen wird." Während Film und Fernsehen auf Special Effekts setzen, um solche Reisen zu erzählen, müssen sich die Theaterleute etwas einfallen lassen. "Und andere Mittel finden", betont Stadler. Einen Panzer aus Pappe beispielsweise.

"Unser Leo II ist das Symbol für Wotans Macht, ein Kriegssymbol, wie ja jedes Land aktuell immer mehr Panzer haben will", erläutert die Bühnenbildnerin. Für sie und Regisseur Ulrich Greb sei sofort klar gewesen, dass der Panzer aus Pappe gefertigt sein müsse. "Verpackungen sind leere Hüllen, die zu einem Konsumzentrum wie das Wallzentrum gut passen." Wotans Panzer ist aber eher ein Scheinriese, sagt Birgit Angele. "Bei Regen weicht das Material schnell auf." Der Leopard II, den die Bühnenbildnerin in der Werkstatt der Marbacher Firma AMF Theaterbauten entwickeln ließ, ist sieben Meter lang und 2,4 Meter hoch. "Im unteren Parkdeck fehlen nur drei Zentimeter bis zur Decke", berichtet Angele, und Stadler fügt hinzu: "Er braucht drei Parkplätze."

Der Leo II des Schlosstheaters ist sogar fahrtauglich. Im Innern befindet sich ein Gestell, in das eine Kamera eingebaut ist, so dass die Fahrer erkennen können, wohin sie das pompöse Gefährt steuern. "Angetrieben wird es wie eine Galeere - mit Manneskraft. Das machen die Mitarbeiter der Technik." Auch für das Unternehmen, das in Angeles Heimatstadt sitzt, war dieser Auftrag neu und spannend. "Wir haben schon mehrfach mit der Firma zusammengearbeitet." AMF Theaterbauten erstellte unter anderem die Drehbühne, die bei "Biedermann und die Brandstifter" im Moerser Schloss eingebaut worden war.

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Wotan hat bei den Riesenbrüdern Fasolt und Fafner den Bau seiner Götterburg Walhall in Auftrag gegeben. Seine Schulden (er hat den Riesen Freya versprochen) zahlt er jedoch nicht. "Stattdessen rüstet er auf", erläutert Stadler. Doch damit ist er nicht der Einzige. "Auch die nachfolgende Generation setzt Panzer gegen ihre Feinde und in der Begegnung mit König Etzel ein."

Dafür baute Praktikant Eric van den Bosch 41 kleine und kompakte Panzer. Das Moerser Unternehmen "Wellpappen Peters" fertigte die Stanzvorlagen. Jeder dieser Panzer besteht aus mehreren Einzelteilen. "Es ist toll, dass wir immer wieder auf Menschen treffen, die Lust haben, mit uns etwas Verrücktes auf die Beine zu stellen", freut sich Birgit Angele. Aus Pappe bestehen jedoch nicht nur die Panzer in der Inszenierung, die am Freitag, 23. Februar, 19.30 Uhr, im Moerser Wallzentrum Premiere feiert.

"Wir pappen uns ein und schaffen eine Welt aus Papier", betont die Bühnenbildnerin. Schwerter, Brustpanzer, Helme und der Riesendrache bestehen ebenso aus dem Material. Da kann man sich gut vorstellen, wie schnell aus Kriegstreiberei gleich ein ganzer Weltenbrand entstehen kann. www.schlosstheater-moers.de

(RP)