Kamp-Lintfort: Mitreißender Vortrag über den Papst

Kamp-Lintfort : Mitreißender Vortrag über den Papst

Der Buchautor Andreas Englisch sprach vor 550 Gästen in Kamp-Lintfort über Franziskus, den "Kämpfer im Vatikan".

Ein Gotteshaus ist nicht unbedingt der Raum, in dem Menschen lachen. In der Josefkirche war dies am Samstagabend anders. Schließlich war Andreas Englisch gekommen, um über Papst Franziskus zu sprechen. Da der Vatikan-Experte den Heiligen Vater mit unzähligen Anekdoten portraitierte, hatte er im Gotteshaus die Lacher immer wieder auf seiner Seite. Dieses war mit 550 Gläubigen so voll wie sonst nur zu Weihnachten, wie Pfarrer Karl Josef Rieger bei der Begrüßung mit einem Schmunzeln sagte.

Ursprünglich hatte Englisch gar nicht in der Josefkirche sprechen sollen, sondern im Josef-Jeurgens-Haus, dem Pfarrheim neben der Kirche. Dort hatten vor gut drei Jahren die 200 Plätze gereicht, als Andreas Englisch zum ersten Mal nach Kamp-Lintfort gekommen war und Franziskus gerade ein halbes Jahr vorher das Konklave als Papst verlassen hatte. Doch diesmal verursachte der prominente, aus dem fernsehen bekannte einen Ansturm. Er spreche mit viel Emotionen so, als bekäme er gleich einen Herzinfarkt, wie Karl Josef Rieger es ausdrückte. Vom gesamten unteren Niederrhein reisten Besucher an, um von Englisch aus erster Hand etwas über den Papst zu hören.

Schließlich ist der 53-jährige Westfale und Wahlrömer, der von 1992 bis 2010 für die Zeitungen Bild und Bild am Sonntag aus Rom berichtet hatte, sonst nur selten in unmittelbarer Nähe. So referierte der Buchautor, "Franziskus - Kämpfer im Vatikan", am Freitagabend in Marsberg im Sauerland und am Sonntagabend in Wangen im Allgäu, um am heutigen Montag wieder in die Heilige Stadt zurückzukehren. "Er muss die Kontakte zu den Kardinälen pflegen", sagte Burkhard Löher am Rande des Referates, der die Auftritte von Andreas Englisch in Deutschland organisiert und den Kamp-Lintfort Pfarrer Karl Josef Rieger persönlich kennt. 70 bis 80 Auftritte hat Englisch im deutschsprachigen Raum, neben seinen Gastspielen im Fernsehen, zum Beispiel kürzlich in der Talkrunde von Markus Lanz.

Einen großen Namen hat Englisch spätestens, seit er 2012 vorausgesagt hatte, Papst Benedikt XVI. werde zurücktreten - was dieser im Februar 2013 wirklich machte. Diese Prognose konnte er abgeben, weil ihm Entsprechendes im Vatikan gesagt wurde. Dabei nennt Andreas Englisch als guter Netzwerker nicht seine Informanten, seien es nun ein Kardinal oder ein Sekretär, ein Aufzugsbediener oder eine Waschmaschinenfrau. Das sind gleichzeitig die Personen, die der Papst auf seine Reise mitnimmt, wie der Referent am Samstagabend erzählte.

"Franziskus will eine Revolution", berichtete er in der Josefkirche vom Heiligen Vater, der durch die "Theologie des Volkes" geprägt sei, die argentinische Variante der Befreiungstheologie. "Es geht hoch im Vatikan her, seitdem er 2013 Papst wurde. Für die Revolution braucht er das Volk", sagte Englisch. Deshalb verzichte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf Prunk, wohne im Gästehaus des Vatikans und suche den Kontakt zu den normalen Menschen, um die Strukturen im Vatikan zu verändern.

(got)
Mehr von RP ONLINE