Ministerin schaut sich Vorzeigebauernhof in Kamp-Lintfort an.

Landwirtschaft in Kamp-Lintfort : Ministerin schaut sich Vorzeigebauernhof an

Kevin Anhamm würde gerne seine Güllekeller vergrößern oder eine Biogasanlage bauen. Doch das kann der 34 Jahre alte staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt nicht, weil gesetzliche Regelungen dagegen sprechen, zum Beispiel das Bundesimmissionsschutzgesetz oder die Technische Anleitung Luft.

Gleichzeitig muss er nach der Landesgülleverordnung handeln, damit die Nitratbelastung des Grundwassers weiter zurückgeht, die unter seinen Flächen in den letzten Jahren von 29 auf 12 Milligramm Nitrat pro Liter gefallen ist – bei einem Grenzwert für Trinkwasser von 50.

„Ich kann den Betrieb nicht verkleinern“, beschrieb er am Donnerstag Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser, die den Hof im Rahmen ihrer Sommertour besuchte, die gesetzlichen Widersprüchlichkeiten. „Da muss es Änderungen geben“, bekam er versichert. „Bei Gesetzen und Verordnungen sind alle Stellschrauben gleichzeitig zu betrachten, für Europa, Bund und Land.“ Eineinhalb Stunden hatte sich die Landesministerin den Bauernhof an der Molkereistraße in Hoerstgen angesehen, der als Vorzeigebetrieb gilt. 215 Kühe stehen auf Stroh, haben viel Platz und können sich aussuchen, ob sie sich zwei oder drei, vier oder fünf Mal am Tag melken lassen wollen.

Sie werden mit siebeneinhalb Jahren älter als andere Kühe und geben überdurchschnittlich viel Milch. „Happy cow, happy farmer“, gab Kevin Anhamm der Landwirtschaftsministerin seinen Wahlspruch mit auf den Weg. „Wenn es der Kuh gut geht, geht es dem Bauern gut. Der Fokus liegt auf dem Tierwohl.“ Beim Besuch zeigte er der Ministerin, wie aufgeschlossen er neuen Entwicklungen wie der Digitalisierung gegenüber ist. Er erfasst über Transponder Daten der Kühe, etwa wie viel Silage, Luzerne oder Gras sie fressen oder wie hoch ihre Wiederkauaktivität ist, die sich direkt auf die Milchleistung auswirkt. Die Daten sammelt er in einer zentralen Datei, um sie für jede Kuh abrufen zu können. Die Ministerin versprach, die Idee der zentralen Datei mitzunehmen. Nicht versprechen konnte sie, die Bürokratie abzubauen, obwohl Kevin Anhamm die Büroarbeit als „frustrierend“ beschrieb und als Grund nannte, warum Landwirte keine Nachfolger mehr finden.

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