Kamp-Lintfort: Mehrheit der Kamp-Lintforter will den Zechenturm bewahren

Kamp-Lintfort : Mehrheit der Kamp-Lintforter will den Zechenturm bewahren

9888 Bürger haben bei der Umfrage für den Erhalt des Förderturms von Schacht I votiert. Der Stadtrat wird am 17. Oktober abschließend entscheiden. Die SPD will dem Votum der Bürger folgen.

Fast eine Stunde hat es gestern Nachmittag gedauert, bis alle Stimmen ausgezählt waren, die per Post im Lintforter Rathaus eingegangen waren. Dann stand das Ergebnis der Umfrage zur Zukunft des Förderturms von Schacht I fest. 9888 Kamp-Lintforter (66,34 Prozent) haben sich für den Erhalt des Zechenturms ausgesprochen. 5018 Bürger waren für seinen Abriss (33,66 %). "Das ist ein deutliches Votum", sagte Bürgermeister Christoph Landscheidt nach der öffentlichen Auszählung im Großen Ratssaal. Das Ergebnis der Umfrage gebe die Stimmung wieder, die er in den vergangenen Wochen in der einstigen Bergbaustadt wahrgenommen habe. 32.965 Kamp-Lintforter ab 16 Jahren waren aufgerufen, parallel zur Bundestagswahl am Sonntag ihre Meinung über das Schicksal des Zechenturms kundzutun.

Die Stimmen wurden öffentlich im Rathaus ausgezählt. Foto: aka

Die Beteiligung an der Umfrage lag bei 45,68 Prozent, das sind 15.058 abgegebene Stimmen. Die in den Wahllokalen abgegebenen gelben Umfragezetteln waren noch am Sonntagabend von den Wahlvorständen ausgewertet worden. Guido Roosen und sein Team zählten gestern die Stimmen, die beim Wahlamt im Rathaus abgegeben worden waren. Die Zettel befanden sich in einer verschlossenen Wahlurne. Die acht Mitarbeiter der Stadt hatten eine stattliche Anzahl von Stimmzetteln auszuwerten. Fast eine Stunde lang war nur ein leises kontinuierliches Rascheln zu hören. Obwohl die Auszählung öffentlich war, kamen nur wenige Kamp-Lintforter vorbei, um das Ergebnis der Umfrage aus erster Hand zu erfahren.

Foto: SPD

"Das wird ganz schön spannend", fand Ursula Weber. Sie hatte sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. "Emotional betrachtet ist der Zechenturm ein wichtiges Andenken und Wahrzeichen für uns Kamp-Lintforter", sagte sie gestern. Ihr Mann habe 40 Jahre lang auf dem Bergwerk West gearbeitet. "Auf der anderen Seite ist der Erhalt des Turmes eine Kostenfrage. Ich hoffe, dass die Stadt dies mit den Zuschüssen des Landes stemmen kann", betonte sie und erklärte, dass sie sogar bereit wäre, einen jährlichen Obolus für die Unterhaltung des Förderturmes zu geben. Wolfgang Schwarz berichtete hingegen, dass die Stadt ihm gleich mehrere Stimmzettel zugeschickt hatte. Ich habe im Wahlamt darauf hingewiesen, bisher jedoch noch keine Reaktion bekommen." Der Bürgermeister versprach gestern, dass es eine Plausibilitätsprüfung geben werde, sobald gravierende Ausreißer festgestellt würden. "Wir wissen ja, wie viele berechtigt waren, an der Umfrage teilzunehmen." Die abschließende Entscheidung über die Zukunft des Zechenturms trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am 17. Oktober.

SPD-Stadtverbandsvorsitzender René Schneider bekräftigte gestern noch einmal, dass die SPD dem Votum der Bürger folgen wolle. Sobald der Rat grünes Licht gegeben hat, wird die Stadt den Förderturm für einen Euro kaufen und den städtebaulichen Vertrag mit der RAG auf den Weg bringen. Auch die Mittel aus der Städtebauförderung in Höhe von 1,9 Millionen Euro werden dann beantragt.

(RP)