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Mediathek Kamp-Lintfort lädt Literaturkritiker ein.

Literatur in Kamp-Lintfort : Denis Scheck checkt die Bestsellerlisten

Der Literaturkritiker war zu Gast bei den Literaturtagen in Kamp-Lintfort.

Noch kann Denis Scheck seinen Lieblingsautor Philip Roth ganz oben auf die Liste der Neuerscheinungen stellen, wie am Freitag bei den Literaturtagen in Kamp-Lintfort. Laufen die Werke des amerikanischen Romanciers, der im Mai dieses Jahres mit 85 Jahren starb, doch derzeit durch die deutschen Buchpressen, zum Beispiel „Der menschliche Makel“ oder „Amerikanisches Idyll“. „Philip Roth hat Situationen wahrgenommen und erspürt, die andere nicht bemerkt haben“, sagte der 53-jährige Literaturkritiker. „Er hat brillant den Tennisspieler Roger Federer oder das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff beschrieben. Er hätte den Literaturnobelpreis verdient gehabt.“ Der amerikanische Autor habe diesen Preis aber nicht bekommen, genauso wenig wie James Joyce oder Franz Kafka. Schon zu Beginn des Abends äußerte sich Denis Scheck in der Mediathek kritisch zum Literaturmarkt, der von Bestsellerlisten geprägt ist, obwohl er selbst Teil dieses Marktes ist. Er checkt seit Anfang 2003 Neuerscheinungen in der Sendung „Druckfrisch“, die das Erste Programm aus der Taufe hob, nachdem Ende 2001 das Literarische Quartett im Zweiten Programm aufgehört hatte. Dessen Hauptspieler, Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek bewertet er unterschiedlich. „Es gibt Kritiker, die die Bücher vor der Besprechung lesen, wie Marcel Reich-Ranicki, und Kritiker, die sie nicht vorher lesen“, sagte der gebürtige Schwabe in Kamp-Lintfort. Er hatte alle 48 Bücher gelesen, die er am Freitagabend vor 90 Zuhörern in der Mediathek im Schnelldurchlauf vorstellte, wie seine Antworten auf Nachfragen zu einzelnen Werken bewiesen. Dabei hatte er nur solche ausgesucht, die innerhalb der letzten zwölf Monate neu aufgelegt wurden, darunter einige Klassiker, zum Beispiel „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner (1899 – 1975). „Das Buch ist von Walter Trier im Stil der neuen Sachlichkeit der 20er Jahre bebildert worden“, erzählte er. Mehr Bücher für Erwachsene sollten bebildert sein, forderte er, um zum Beispiel das Buch „Heimat“ der deutsch-amerikanischen Illustratorin und Autorin Nora Krug hervorzuheben. Werke auf Bestsellerlisten, etwa der Spiegel-Bestsellerliste, pries er nicht an. „Darauf stehen nicht die besten Bücher, sondern die meistverkauften“, erzählte Dennis Scheck.