Literaturtage Kamp-Lintfort: Jutta Profijt liest in der Christuskirche

Literaturtage in Kamp-Lintfort : Lesung bietet spannende Einblicke in eine Autoren-Werkstatt

Madiha ist eine gehbehinderte, muslimische Flüchtlingsfrau aus Syrien, Harun ist ein Landsmann, der ihr während der Flucht uneigennützig geholfen hat. Beide leben in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft.

Doch dann ist Harun plötzlich verschwunden. Als Madiha auf Anraten ihrer deutschen Betreuerin eine Vermisstenanzeige aufgibt, fliegt kurz darauf nachts eine Brandbombe in ihr Zimmer, und jemand scheint Madiha auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Madiha und Harun sind die Hauptfiguren des Kriminalromans „Unter Fremden“ der in Korschenbroich heimischen Schriftstellerin Jutta Profijt. Am Sonntag las sie daraus im Rahmen der Kamp-Lintforter Literaturtage in der evangelischen Christuskirche und gewährte ihren rund 70 Besuchern dabei ganz nebenbei auch noch interessante Einblicke in ihre Arbeitsweise.

„Unter Fremden“ ist der 22. Roman der 51-jährigen gelernten Außenhandelskauffrau und Übersetzerin und derjenige, der ihr nach eigenem Bekunden bisher am schwersten gefallen ist. Angeregt habe sie dazu die Mitarbeit in einem interkulturellen Gartenprojekt und die Erfahrung, dass sich viele Migranten, selbst nach vielen Jahren in Deutschland, hier noch immer als Fremde fühlen. „Darüber wollte ich etwas schreiben“, erklärte sie. Aber eine Idee ist noch kein Buch. „Dazu braucht es auch noch einen guten Handlungsstrang.“ So habe sie anfangs nur gewusst, dass ihre Hauptperson eine unverheiratete, muslimische Frau um die 30 sein sollte. Eine, wie sich bald herausstellte, ziemlich unrealistische Vorgabe: „Muslimische Frauen in dem Alter sind in der Regel nicht ledig, also habe ich mir diese Gehbehinderung ausgedacht.“ Auch mit dem Handlungsstrang habe sie so ihre Schwierigkeiten gehabt: „Da bin ich nach den ersten 180 Seien plötzlich nicht mehr weiter gekommen. Das Schreiben war bei mir sowieso noch nie ein rauschhaft-kreativer Akt, aber diesmal hatte ich eine richtige Blockade“, bekannte sie. „Vielleicht lag es daran, dass dies mein erstes richtig ernstes Buch ist. Die anderen vorher waren alle eher heiter, spitzzüngig und voller schwarzem Humor.“

Für die Zuhörer gab es allerdings noch eine andere Besonderheit. Obwohl es sich um eine Krimi-Lesung handelte, fehlte darin bis kurz vor dem Ende eine eindeutige Tat. War Harun aus eigenen Stücken verschwunden? Wenn ja, warum dann der Brandanschlag? Wusste Madiha irgendetwas, worüber sie sich nicht im Klaren war? Diese geheimnisvolle Situation machte die Lesung ungemein spannend und lockte viele Besucher in der Pause an den von der Kamp-Lintforter Rathausbuchhandlung aufgestellten Büchertisch, um Jutta Profijts neues Buch zu kaufen und von ihr signieren zu lassen.

Die nächste Lesung im Rahmen der Literaturtage findet am Donnerstag, 8. November statt. Um 19.30 Uhr ist der Schriftsteller Johannes Herwig mit seinem Roman „Bis die Sterne zittern“ in der SPD-Mitmachzentrale, Freiherr-von Stein-Straße 32, zu Gast. Eintritt: fünf Euro.