Kamp-Lintfort: Lintforterin malt Sehnsuchtsbilder

Kamp-Lintfort : Lintforterin malt Sehnsuchtsbilder

Barbara Ziebuhr stellt ihre Bilder an einem für sie besonderen Ort aus: dort, wo einst das Broekmann-Haus stand.

Dort, wo der Anbau des Friederike-Fliedner-Hauses wie ein Hufeisen in die Ringstraße ragt, stand 50 Jahre lang die traditionsreiche Buchhandlung Broekmann. Für Barbara Ziebuhr ist das längst abgerissene Gebäude noch heute in guter Erinnerung. Nicht nur, weil sie dort Bücher gekauft hatte. Fast ein Jahr lang führte sie in dem damals leerstehenden Haus eine Galerie auf Zeit. "Kuk'ma" hieß der Kulturtreffpunkt, an dem sie sechs Ausstellungen mit regionalen und internationalen Künstlern realisierte - und erfolgreich Kamp-Lintforter Künstler miteinander vernetzte. Als Dankeschön für diese spannende Zeit ist die Kamp-Lintforterin jetzt mit einer eigenen Ausstellung an den Ort zurückgekehrt: Sie stellt in den öffentlichen Bereichen des Friederike-Fliedner-Hauses 21 ihrer neuesten Werke aus. Die evangelische Altenpflegeeinrichtung hatte als Eigentümerin des Broekmann-Hauses damals die Geschäftsräume kostenfrei zur Verfügung gestellt.

"Ich konnte mich erproben", erinnert sich Barbara Ziebuhr an die Zeit im "Kuk'ma". Die Kontakte, die sie zu anderen Künstlern knüpfte, halten bis heute. "Es war die Grundsteinlegung für ein großes Netzwerk", sagt sie. Etwas mehr als ein Jahr blieb die Galerie im Broekmann-Haus - bis im Winter das Öl zum Heizen ausging und später das alte Gemäuer für den Neubau abgerissen wurde. "Das Abschluss-Event fiel leider den Umständen zum Opfer." Das holt Barbara Ziebuhr im Fliedner-Haus nach. "Himmelweit" ist der Titel ihrer Ausstellung, die bis Ende September im Fliedner-Haus zu sehen ist. Blau ist Barbara Ziebuhrs Farbe. "Die Farbe hat mich gefunden und nicht mehr los gelassen", sagt die Künstlerin, die in der Erwachsenenbildung tätig ist. Blau stehe für die Weite, für Ruhe und Meditation, sagt sie. Die Kamp-Lintforterin versteht sich als Landschaftsmalerin - wenngleich Landschaften in ihren Arbeiten nur zu erahnen sind - die platten Niederrheinischen, aber auch die Gewässer, die Europa umgeben. Ziebuhr abstrahiert, damit der Betrachter aus ihren Bildern eigene "Erinnerungslandschaften" bilden kann.

"Ich überlasse es ihm, die dargestellte Szene zu verorten. Die Spuren im Bild sind nicht im eigentlichen Sinne lesbar. Erst in der Verbindung von Gesehenem und der eigenen Erinnerung beginnen sie, Geschichte zu erzählen", erläutert die Künstlerin ihr Konzept. Einfarbig sind ihre Arbeiten nicht, wenngleich das Blau im Fokus steht. Sie malt in Schichten mit vielen Farbebenen. Um einen transparenten Eindruck zu vermitteln, wäscht sie die Farbe an manchen Stellen aus oder kratzt sie aus den Schichten heraus. Barbara Ziebuhr malt in Acryl, nutzt Kreide und Wachs. Zu den ganz neuen Werken gehört eine Collage aus 16 kleinen Bildern, die mit schnellem Strich gearbeitet sind, und drei Arbeiten, in denen der Horizont sich gänzlich aufgelöst hat. Über die positiven Reaktionen auf die Ausstellung freut sich die Kamp-Lintforterin sehr. Es seien "echte Sehnsuchtsbilder" habe eine Besucherin gesagt. Barbara Ziebuhr führt gerne durch die Ausstellung, Kontakt unter Tel.: 02842 30844.

(RP)
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