Kamp-Lintfort: Lehrhaus an der Christuskirche wird wieder zum Kunstraum

Kamp-Lintfort : Lehrhaus an der Christuskirche wird wieder zum Kunstraum

Fünf Künstlerinnen bieten heute und morgen ihre Arbeiten zum Verkauf an. Als Gast dabei ist Buch-Skulpturistin Beate Lennartz.

Die weiße Skulptur sieht aus wie ein Baumstamm, der einen halben Meter aus dem Boden ragt. Sie besteht sie aus den Seiten von Büchern. Die hat Beate Lennartz aufgeschlagen und zerlegt, um sie neu zu verbinden und mit weißer Acrylfarbe zu überschütten. "Reforma(r)tion" nennt sie diese künstlerische Zerlegung und Umformung. "Ich befreie die Bücher von ihrem angestaubten Regaldasein", erzählt die Buch-Skulpturistin aus Schwalmtal bei Mönchengladbach. "Den Betrachtern eröffnen sich Um- und Aufbrüche, wenn sie sich um die Skulptur bewegen."

Lennartz ist als Gastkünstlerin beim "Kunstmarkt" dabei, zu dem für heute und morgen wieder die Gruppe "KunstRaum" einlädt. Gleichgewicht und Harmonie in der Gruppe ist dem Quartett wichtig. "Niemand dominiert und nimmt zu viel Platz ein", sagt Anne Schary. "Alle behalten ihre Identität. Deshalb sind wir so lange zusammen."

2013 stellten sie das erste Mal an einem Wochenende Mitte November im Lehrhaus neben der Christuskirche aus, nach einem erfolgreichen Vorlauf 2012 im Restaurant "Alte Schmiede" auf dem Kamper Berg. In diesem Jahr war diesmal zunächst nicht klar gewesen, ob das Lehrhaus an der Friedrich-Heinrich-Allee, das zusammen mit Christuskirche und Mittelschule ein Ensemble bildet, für die Ausstellung erneut zur Verfügung stehen würde. Weil die Drogenhilfe der Diakonie, die bislang im Obergeschoss untergebracht ist, heute auch Räume im Erdgeschoss braucht, die behindertengerecht zu erreichen sind, gibt es Umbaupläne. Zum Glück für die Künstlerinnen werden diese aber nicht mehr in diesem Jahr realisiert. So können sie wie gewohnt ihre Arbeiten im Erdgeschoss zeigen. Außerdem stellen sie im Warteraum im Obergeschoss aus, um die Entwicklung der nächsten Jahre vorwegzugreifen. "Britta Dietrich-Aust, die Leiterin der Drogenhilfe, wollte unbedingt, dass wir hier ausstellen", sagt Barbara Ziebuhr als Koordinatorin des Ausstellung. "Die Zusammenarbeit war ausgesprochen gut."

In diesem Warteraum zeigen die vier Kamp-Lintforter Kunstraumkünstlerinnen ein gemeinsames Projekt. 120 Holzblöcke, die drei Zentimeter breit und stehen können, haben sie in ihren Stilen bemalt. Andrea Much greift auf Linien und Farben von Kinderzeichnungen zurück, die sie im Stil von Paul Klee umwandelt. Heike Wirtz zerlegt zum Beispiel eine Teetasse in ihre Struktur, die sie dann mit hellem Licht neu formt. Barbara Ziebuhr nimmt unter anderem flüchtige Spuren aus ihrem letzten Sylturlaub auf, deren Ruhe sie in ihren Werken greifbar macht. Und Anne Schary holt Ideen von Landschaften hervor, die sie abstrakt auf den Holzblöcken festhält, die etwas kleiner als ein Taschenbuch sind. So spielen sie alle mit den Formen, die sie reformieren.

Der "KunstMarkt" im Lehrhaus an der Friedrich-Heinrich-Allee 20 - rechts neben der Christuskirche - ist heute und morgen geöffnet, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Viele Besucher nutzen ihn, um originelle Geschenke für Weihnachten zu erstehen. Bei der Ausstellung gibt es auch Kaffee und Kuchen.

Der Erlös fließt übrigens dem Projekt "Fit Kids" zu. Kinder von Drogenabhängigen erhalten dadurch eine individuelle Förderung, zum Beispiel einen Malkurs oder einen Sportkurs.

(got)