Langzeitarbeitslose bringen in Kamp-Lintfort Loks in Schuss.

Zentrum für Bergbautradition in Kamp-Lintfort : Langzeitarbeitslose bringen Loks in Schuss

Elf Teilnehmer einer Maßnahme von Jobcenter und TÜV Nord haben das neue Vereinsheim der Fördergemeinschaft renoviert. Zurzeit entrosten sie Lokomotiven aus dem Untertagebetrieb.

Mit drehenden Drahtbürsten entrosten die Teilnehmer des Projekts „Lehrstollen 2019“ zurzeit eine Lokomotive und zwei Waggons, die einst untertage über die Gleise rollten. Wenn sie damit fertig sind, werden sie diese grundieren und lackieren. „Arbeit ist noch genug da“, sagt Norbert Ballhaus als Vorsitzender der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein.

Das Projekt „Lehrstollen 2019“ hat Ende des Monats Halbzeit. Es wurde von der Stadt gemeinsam mit dem Jobcenter Kreis Wesel, dem Tüv Nord Bildung und der Fördergemeinschaft initiiert. Von Anfang Juli bis Ende Dezember schafft es Arbeitsgelegenheiten für Arbeitssuchende mit Vermittlungshemmnissen. In den ersten Wochen renovierten die Teilnehmer die neuen Räume der Fördergemeinschaft, die im Obergeschoss des südlichen Teils des Schirrhofes an der Friedrich-Heinrich-Allee liegen.

Die elf Männern im Alter von 28 bis 58 Jahren stellten einige neue Innenwände in Trockenbauweise auf, tapezierten Wände und strichen diese. Sie bauten Regale auf, in denen demnächst die Bücher und Materialien Platz finden, die zurzeit noch in Kartons lagern. Sie stellten Vitrinen auf, in denen bald ein Teil der 750 Grubenlampen der Fördergemeinschaft ausgestellt wird. In den letzten Wochen entrosteten sie Lokomotiven und Waggons, von den sie schon die ersten grundiert und lackiert haben. „Ziel der Zusammenarbeit ist es, den arbeitslosen Menschen eine neue berufliche Perspektive zu bieten und sie dann erfolgreicher in den Arbeitsmarkt integrieren zu können“, erläutert Jobcenter-Bereichsleiterin Angela Preuß das niederschwellige und praxisorientierte Projekt. Tüv-Nord-Ausbilder Wolfgang Baum unterstreicht: „Die Teilnehmer organisieren sich selber, planen und führen durch.“ Sie hätten unterschiedliche Charaktere und würden sich ergänzen, zum Beispiel als Trockenbauer, Maler oder Schlosser. So würden sie neue Fähigkeiten entwickeln.

„Wir sind froh, dass das Jobcenter, der Tüv Nord und die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition uns bei diesem großartigen Projekt unterstützten“, erklärt Christoph Müllmann. „So können wir die Tradition des Bergbaus erhalten und geben den Teilnehmern gleichzeitig die Chance, sich zu entwickeln.“ Der Beigeordnete, der auch für das Soziale zuständig ist, ist stellvertretender Vorsitzende der Fördergemeinschaft und hatte die Idee zum Projekt „Lehrstollen 2019“.

Als er dieses mit allen Beteiligten vorstellte, kam grünes Licht für eine Verlängerung. „Wir stellen Mittel für eine Anschlussmaßnahme bereit“, versicherte Angela Preuß. Norbert Ballhaus wies auf Außenarbeiten hin, die dann von den Teilnehmern erledigt werden könnten. Dazu zähle zum Beispiel ein gusseiserner Zaun, der entrostet und hinter dem Pumpenhaus neu aufgestellt werden solle. Pumpenhaus, Lehrstollen und Schirrhof würden das Zentrum für Bergbautradition bilden, das auch nach der Laga 2020 Bestand habe.

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