Landwirtschaft in Kamp-Lintfort: Biobauern aus Überzeugung

Landwirtschaft in Kamp-Lintfort : Biobauern aus Überzeugung

Seit 1846 lebt die Familie Bird in mittlerweile siebter Generation auf dem Hof Frohnenbruch. 2002 wurde der Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt. Ein Schwerpunkt ist die Rindfleischproduktion.

Eigentlich müsste der Niederrhein ein Mekka der Biobauernhöfe sein – sagt Klaus Bird. Denn: Gute Böden und ein gemäßigtes Klima sind beste Voraussetzungen für einen ertragreichen ökologischen Landbau. Nordrhein-Westfalen, erklärt der Landwirt, sei auch eines der Bundesländer, in denen Bio-Produkte bei den Verbrauchern ganz hoch im Kurs stehen. „Leider wird ein großer Teil nicht unmittelbar in der Region produziert. Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass die Ertragslage bei ,Bio’ deutlich zurück geht, bei Getreide zum Beispiel um die Hälfte“, sagt Bird. Oder andersherum ausgedrückt: Mit herkömmlicher Landwirtschaft lässt sich auf guten Böden eine besonders hoher Ertrag erzielen. Bird hat sich vor 17 Jahren bewusst für das „Weniger“ entschieden. Und das hat auch etwas mit Verantwortung und Verwurzelung zu tun.

Seit 1846 lebt die Familie in mittlerweile siebter Generation auf dem Hof Frohnenbruch, der früher einmal ein Rittergut war. Ehefrau Bärbel Bird kümmert sich um den Hofladen, Sohn Paul und Tochter Eva sind bereits im Unternehmen tätig und wollen den Betrieb, der 2002 komplett auf ökologischen Landbau nach Bioland-Richtlinien umgestellt wurde, weiterführen. Ein Schwerpunkt ist die Rindfleischproduktion.

„Nach der BSE-Krise haben wir damals beschlossen, nur noch nur noch selbst produzierte Futtermittel zu verfüttern, also: in einem geschlossenen Kreislauf produzieren“, erzählt Bird. „Dabei haben wir festgestellt, dass wir unsere Tiere eigentlich immer schon nach Bio-Richtlinien gehalten haben. Die Umstellung war in diesem Bereich also einfach.“

Im Sommer grasen seither rostbraune Limousin-Rinder auf den tiefliegenden Weideflächen rund um den Hof, im Winter bekommen die Kühe und Kälber im zu allen Seiten hin offenen Stall viel frische Luft. Hinzu kommen rund 1000 Legehennen und 450 Masthähnchen – das zweite Standbein der Birds. Das geflügel lebt in mobilen Ställen, die nach Bedarf mit dem Trecker versetzt werden können. Das heißt, bevor der Boden matschig wird oder die Hühner um den Stall herum kein Gras mehr zu fressen finden, wird das Hühnermobil einfach einige Meter weiter zu einem frischen, sauberen Platz gefahren.

Anders als in herkömmlichen Betrieben werden die männlichen Geschwister der Hennen auf dem Frohnenbruchhof auch nicht getötet. Sie wachsen bis zur Schlachtreife heran und werden dann ebenfalls vermarktet. Das eigene Rind- und Geflügelfleisch aus der eigenen Schlachterei wird im Hofladen verkauft, die Bruderhähnchenaufzucht über den Eier-Preis bei den mitfinanziert. „Wir haben das ausprobiert und unsere Kunden befragt, ob sie bereit wären, pro Ei ein paar Cent mehr bezahlen“, sagt Bärbel Bird. „Die Rückmeldung war positiv.“

Die Birds sagen, sie zeigten gerne, dass Bio funktioniert: auf dem Acker und im Stall. Dabei sei ,Bio’ deutlich mehr als Adjektive wie „gesund“ oder „ungesund“. „Beim Einkaufen ist die Regionalität und die Saisonalität wichtig“, betonen die Landwirte unisono. „Wir alle sind diesbezüglich vom Lebensmittelhandel in die falsche Richtung erzogen worden“, sagt Klaus Bird. „Aber ich finde, als Kunde hat man auch eine Verpflichtung – nachzufragen, woher das, was man kauft, kommt. Ich sage immer: Lieber ein bisschen weniger Fleisch essen, dafür aber gute Qualität.“