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Kunst in Kamp-Lintfort: Papier, Holz und Kohle - mehr nicht

Kunst in Kamp-Lintfort : Papier, Holz und Kohle – mehr nicht

Die Galerie Schürmann präsentiert erstmals die Arbeiten der Künstlerin Jessica Maria Toliver aus Schwerte. Die Ausstellung trägt den Titel „Fuge“. Das Spannungsfeld ihrer Kunst reicht von archaisch bis präzise und filigran.

Verkohlte Holzblöcke, jeder für sich bis zu 40 Kilogramm schwer, hängen an Seilen, die an der Decke befestigt sind. Sie wirken leicht, ja fast schwerelos, so wie sie wenige Zentimeter vom Boden entfernt pendeln – beruhigend und bedrohlich zugleich. Die Installation aus dem Atelier von Jessica Maria Toliver ist der Blickfang in der Ausstellung der Galerie Schürmann mit Arbeiten der Künstlerin aus Schwerte. Sie wird am Samstag, 22. Januar, unter Corona-Bedingungen mit zwei Rundgängen eröffnet und ist bis März in der Galerie zu sehen. „Fuge“ lautet der Titel der Präsentation an der Moerser Straße 252.

Es ist besonders das Spannungsfeld zwischen dem unbeweglich-schweren Material Holz und der beschwingten Umsetzung durch Toliver, das an dieser Rauminstallation fasziniert. „Ich wollte einen Kontrapunkt zum Material setzen“, erklärt die Künstlerin ihre Idee. Für sie haben die drei großen Blöcke aus Eichenholz, die sie in ihrer Werkstatt im Feuer geköhlt hatte, eine „wunderbare Persönlichkeit“. „Ich freue mich sehr darüber, dass Andreas Verfürth es ermöglicht, diese Arbeit in seiner Galerie zu zeigen“, bedankt sich Jessica Maria Toliver.

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Die Ausstellung zeigt deutlich, wie sehr die Künstlerin mit ihren Materialien verbunden ist: Papier, Holz, Graphit und Kohle – mehr bedarf es nicht, um diese im kreativen Schaffen immer wieder liebevoll neu zu entdecken. Papier und Holz sind für sie nicht einfach nur organische Oberflächen, die sie manipulieren könnte. „Sie haben auch etwas Zärtliches“, sagt sie respektvoll. Das Laute und Bunte liegt ihr nicht. Seit Jahren reduziert Jessica Maria Toliver ihre Kunst auf Schwarz und Weiß. „Ich brauche das Bunte nicht, um etwas zu erzählen“, betont die Künstlerin aus Schwerte. Dabei vereint sie in ihrer Arbeitsweise die Gegensätzlichkeit von grober und archaischer Gestalt sowie filigraner Zerbrechlichkeit. Da sind zum einen die großformatigen Bilder ganz in Schwarz, die sich durch den jeweiligen Lichteinfall in ihrer Struktur zu verändern scheinen. Hier hat sie Kohle mit ihren Händen in großem Schwung auf das vormals weiße Papier gebracht. Oder die „Umgebungsdrucke“, wie sie sagt, die Frottagen, die von Baumscheiben stammen und denen sie nichts mehr überstülpen wollte, weil sie in ihrer rauen und archaischen Form so charakteristisch seien. Das Holz bekam sie von einem Schreiner, der meinte: „Mach‘ was draus“. Oder die Kohleverreibungen, die an Nebellandschaften erinnern. Im Kontrast dazu stehen die filigranen Papierarbeiten und Scherenschnitte, bei denen sie mit dem Skalpell kleinste Formen aus Papierschichten herausarbeitet – präzise und auf Genauigkeit bedacht. „Bei den Schnitten kalkuliere ich“, sagt die Künstlerin, die gerne in Zyklen arbeitet. Ein Prozess, der eine langwierige Vorarbeit benötige. Doch es reizt sie, Unbekanntes auszuloten. In der Galerie Schürmann zeigt sie einen Scherenschnitt, der Teil einer großen und umspannenden Wandmontage in einer anderen Ausstellung war. Die Künstlerin aus Schwerte stellt in Kamp-Lintfort zum ersten Mal aus. Inhaber Andreas Verfürth lernte sie über einen Kollegen in Dortmund kennen und war begeistert von der Gegensätzlichkeit ihres Schaffens zwischen Präzision und freier Arbeit. Toliver präsentiert beim ihm Werke, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind.