Kultur in Kamp-Lintfort: Startschuss für das Kammermusikfest

Kultur in Kamp-Lintfort : Startschuss für das Kammermusikfest

Im vollbesetzten Rokokosaal erlebte die Festivalwoche auf dem Kamper Berg einen vielversprechenden Auftakt. In den nächsten Tagen werden die öffentlichen Proben und Konzerte Kammermusikfreunde aus ganz Deutschland begeistern.

„Bühne frei“ hieß es am Sonntagmorgen für das Kammermusikfest Kloster Kamp! Zum 16. Mal lädt das kleine, aber feine Festival auf dem Kamper Berg zu öffentlichen Proben und zu Konzerten ein, deren hohes Niveau immer mehr Kammermusikfreunde begeistert.

Für viele ist die Musikwoche längst ein fester Punkt im sommerlichen Terminkalender geworden. Kein Wunder also, dass schon bei ersten Proben der Rokokosaal sehr gut gefüllt war. Rund 50 Besucher – darunter viele Musikfreunde, die dem Festival seit Jahren die Treue halten, aber auch einige junge Musikinteressierte – waren gekommen, um von Anfang an dabei zu sein und die musikalische Entwicklung eines der schönsten Kammermusikwerke mitzuerleben: Brahms’ Klavierquartett c-Moll op. 60, gespielt von der Geigerin Anna Heygster, der Bratschistin Béatrice Muthelet, der Cellistin Katharina Apel und der Pianistin Michal Friedlander, die zum ersten Mal auf dem Kamper Berg mitspielt.

„Es ist so toll, dass Michal gekommen ist“, sagt Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter des Kammermusikfests. Die als Solistin wie auch als Kammermusikerin international renommierte Interpretin fügt sich schnell und völlig unprätentiös in das Ensemble ein. Jede der vier Musikerinnen hat ihren Part vorab gewissenhaft einstudiert, beim Zusammenspiel wird jetzt an den Details gefeilt. „Vielleicht könnten wir bei 198 noch ein bisschen mehr Agitato machen“, schlägt Katharina Apel vor. Die anderen nicken und machen sich entsprechende Notizen in den Noten. Plötzlich bricht der Musikfluss unvermittelt ab: „Ah, fünf Kreuze, nicht vier, sorry!“, sagt Michal Friedlander, grinst und greift mit neuem Schwung beherzt wieder in die Tasten. Und manchmal verstehen die Vier sich auch ohne viele Worte: „Bei 167, es ist so, nicht viel, aber dann…“ Eine Regieanweisung, die für das Publikum nicht unbedingt nachvollziehbar ist, aber im Quartett weiß jede, was gemeint ist. Takt für Takt geht es weiter, hier mal ein bisschen schneller, dort lieber etwas leiser oder etwas mehr in die Tiefe gehend. Und immer wieder wird die Strichrichtung abgestimmt: „Hier auf-auf-ab? Und der nächste dann auf-ab-auf?“

Gebannt verfolgen die Zuhörer, wie kleinste Feinheiten sich auf die Interpretation auswirken. Zwischendurch wird innegehalten. „Wir verlieren uns“, stellt Bétrice Muthelet fest. „Ab 151 sollten wir nochmal machen.“ Ein kurzer Blick in die Runde – und die Musik setzt wieder ein. Aus den offenen Fenstern ziehen die Klänge in den Klostergarten, fasziniert belauscht von Besuchern, die beim Sonntagsspaziergang zufällig vorbeigekommen sind.

„Mit der ersten Probe haben wir das Gefühl, jetzt beginnt das Festival. Dann sind wir immer schon im Aufführungsmodus“, erklärt Alexander Hülshoff. Beim Eröffnungskonzert am Donnerstag in der Aula der Hochschule Rhein-Waal können die Besucher dann die Konzertaufführung des Brahms’ Quartetts erleben, neben Schumanns „Märchenbilder“ und Dvoráks Klavierquartett op. 87. „Ein paar Restkarten gibt es dafür noch und für die Einführung am Mittwoch im Rokokosaal“, berichtet Organisatorin Jeannette von der Leyen. Die Karten sind ab Montag im Zentrum Kloster Kamp erhältlich (Telefon 02841 927540). Für die Barock-Soirée am Samstag in der Abteikirche, einer Premiere für das Kammermusikfest, die seine Anbindung an den Kamper Berg weiter stärken soll, wird es an der Abendkasse einige Hörkarten zum Preis von 10 Euro geben. Eine Übersicht über die öffentlichen Proben, die kostenlos besucht werden können, findet man unter www.kammermusikfest-klosterkamp.de

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