Künstlerin erschafft Himmelsleiter für das Museum Kloster Kamp in Kamp-Lintfort.

Kunst in Kamp-Lintfort: Himmelsleiter im Museum Kamp

Künstlerin Ulla Handel nimmt die Besucher der neuen Sonderausstellung im Museum Kloster Kamp mit „in den Himmel hinein“.

Jede Sprosse auf der Himmelsleiter steht auch für ein kleines Stück Lebensweg: Von der Geburt mit Schmerz, Geborgenheit und Glück zugleich hinauf zur Liebe, dem Du-Ich-Wir-Vertrauen und dem Verzeihen bis hin zu Krankheit, Tod und neuer Kraft durch den Glauben. Ulla Handels Himmelsleiter, die sie eigens für ihre neue Ausstellung im Museum Kloster Kamp installiert hat, vermittelt Zuversicht, Optimismus und das Vertrauen darauf, dass Missglücktes manchmal auch wieder zusammengesetzt werden kann. „In den Himmel hinein“ ist der Titel der Sonderausstellung, die am Samstag, 9. März, im Museum am Abteiplatz eröffnet wird und über Ostern hinaus bis zum 2. Juni zu besichtigen ist.

„Ich habe mich von diesem Raum mit seiner großen Glasvitrine inspirieren lassen. Es reizt mich, mich auf Orte einzulassen“, sagt die Künstlerin, die viele Jahre an der Ebertschule in Kamp-Lintfort unterrichtet hatte und noch heute einmal in der Woche im Nachmittagsbereich mit den Schülern kreativ wirkt. Sie öffnete die Vitrine und stellte eine 90 Jahre alte Holzleiter hinein, die tatsächlich so wirkt, als würde sie bis zum Himmel reichen. „Ich habe die Leiter von einer 80-jährigen Kamp-Lintforterin erhalten. Sie war ganz gerührt, dass ihre Leiter nun in einem Museum steht“, erzählt Ulla Handel. Für die wichtigen Lebenspunkte schuf die Künstlerin aus Duisburg kleine Kuppeln aus Ton, die sie übereinander stapelte und als kleine Türmchen hin zur Leiter aufstellte. Unterschiedlich farbige Glasklumpen stehen für jeweils eine Lebensstation: Gelb, rot, blau und fast transparent krönen sie die Tonkuppeln. Für Peter Hahnen, Geschäftsführer des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp, steht Ulla Handels Himmelsleiter auch für die Jakobsleiter (Genesis, Kapitel 28). Jakob träumte, dass der Herr zu ihm hinunter auf die Erde kommt. Für ihn war es das Tor zum Himmel“, erläutert Hahnen, den es erfreut hat, dass die Künstlerin bereit war, eigens für die Ausstellung eine Installation zu schaffen. Tatsächlich sind 90 Prozent ihrer Arbeiten für diese Präsentation neu entstanden. Für Ulla Handel ist Kunst keine singuläre und ausschließliche Form. In ihren Arbeiten fließen die unterschiedlichsten Techniken und Materialien ein. Die Kuppeln sind selbst getöpfert, aber ohne Glasur. Das Papier ist selbst gegossen und geschöpft, mal mit Pigmenten gefärbt, und Farben, die ineinander zu fließen scheinen. Mal entstehen neue Formen und Figuren durch verlaufende Rostabdrücke.

Ihre Materialien findet sie auf Werften in der Region: ausgebrannte Teile von Schiffsböden, Bronzespäne und -stücke von Schiffspropellern erhalten in ihren Werken eine neue Bedeutung. „Vom Landwirt Ermen habe ich ein Hufeisen bekommen.“ Der Abdruck findet sich in einem ihrer Bilder wieder. „Ich finde es spannend, alte Handwerke auszuprobieren, gleichzeitig mag ich das Haptische. Das hat viel damit zu tun, dass ich mich im Studium mit Skulpturen befasst habe.“ In der Arbeit lässt sie sich vom Material leiten. „Ich mag es“, erzählt sie, „den Prozess nicht bis aufs Letzte bestimmen zu können.“ Und so trifft man in der Ausstellung auf 39 Arbeiten, mit Lichtwesen, himmlischen Pförtnerinnen, Engeln unter der Sonne und vielen anderen Schätzen.

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