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Krimi-Lesung in Kamp-Lintfort: Auf der Laga „blüht das Verbrechen“

Literatur auf der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort : Krimi-Lesung: Auf der Laga „blüht das Verbrechen“

In der Lesereihe „Nur die Harten kommen in den Garten“ war Krimiautor Erwin Kohl am Donnerstag zu Gast auf der Landesgartenschau und stellte seinen Zuhörern den Roman „Dumm gelaufen, Martha“ vor.

Auf der Laga in Kamp-Lintfort tobt das Verbrechen, verschwinden Katzen und betuchte Rechtsanwälte im Ruhestand. Krimibuchautor Erwin Kohl (59) nimmt sein Publikum mit in die mörderische Welt des Niederrheins. Von wegen Idylle mit Blick auf die weite Landschaft, der Möglichkeit des Waldbadens in naheliegenden Wäldern, in denen mancher Laga-Besucher schon spazieren war.

Kohl schickt seinen Privatdetektiv Lukas Born auf Spurensuche. Und wie sollte es anders sein, Ex-Polizist Born hat nach acht Stunden intensiver Arbeit den Täter am Haken. Wie in den vorangegangenen Krimis auch, liegt Borns Lebensmittelpunkt in Sonsbeck-Labbeck. Happy Eiland nennt sich der Campingplatz, den Kenner längst als den Kerskenshof erkannt haben. Dort lebt Born mit Hund Manolo im Campingwagen, hält sich als Privatdetektiv über Wasser. Magdalena Jacobs beauftragt ihn mit der Suche nach ihrem vermisst gemeldeten Mann Berthold, einem Notar im Ruhestand. Spielt der große Altersunterschied zwischen den Ehepartnern eine Rolle oder das Vermögen? Ist Jacobs einfach nur abgetaucht? Was bedeutet sein Kalendereintrag „Treffen J.O.“?

Doch als Manolo und Born den Vermissten mausetot im Wald finden, nimmt die Geschichte mächtig an Fahrt auf, sorgt für manche falsche Spur. Fein spinnt Kohl das Netz, zieht beispielsweise um die Zeugin Martha Lamers die Fäden. Die agile Rentnerin, die in Rheinberg barrrierefrei in Nähe des Bahnhofs lebt und in Labbeck gerne der Terpene wegen Bäume umarmt, liefert Born Details zum Tatgeschehen, da sie sich zufällig in Nähe des Tatorts aufhielt. „Mir ist Martha Lamers ans Herz gewachsen“, sagt Kohl, der zwischendurch dem Publikum Einblicke in seine Arbeit gibt. Ihn ärgert beispielsweise, dass älteren Menschen umgehend eine Altersdemenz angehängt wird, sobald sie sich an Details nicht genau erinnern können. Bei ihren Zeugenaussagen gegenüber der Polizei verhedderte sich Martha nämlich in Widersprüche.

Der Alpener baut die verschiedenen Orte wie bekannte Personen vom Niederrhein in seinen Krimi ein. Kollege Thomas Hoeps liest im Leseduett verschiedene Passagen und Rollen. Kohl beobachtet den Niederrhein, den Niederrheiner im Speziellen, mit seinen Macken und Eigenarten. Die so genannte Verortung nimmt das Publikum für ihn ein. Heimatliebe ist spürbar. Als „Hanns Dieter Hüsch“ der Krimiliteratur ist er deshalb schon bezeichnet worden. Kohl wehrt sich. „Dieser Schuh ist mir sieben bis acht Nummern zu groß.“ von einer Fortbildungsveranstaltung aus Frankfurt mit. Ein Oberstaatsanwalt hatte über diesen realen Fall referiert, Kohl katapultierte die Tat in den Kreis Wesel.  Mittlerweile hat der Autor in 18 Jahren insgesamt 13 Romane geschrieben. Der 14. Krimi als vierter Lukas-Born-Fall soll im Herbst 2021 erscheinen.

Die Lesereihe „Nur die Harten kommen in den Garten“ ist eine Veranstaltung vom „Schaufenster der Kulturregion Niederrhein“ und wird über das Ministerium gefördert. Am Donnerstag, 16. Juli, 18 Uhr, ist Peter Godazgar zu Gast. Der Krimi von Erwin Kohl „Dumm gelaufen, Martha“, (240 Seiten), kostet 10,90 Euro.