Kreis Wesel: Serie Digitalisierung - Atmosphäre als Verkaufsargument im Hotel Welling

Kreis Wesel: Atmosphäre als Verkaufsargument

Für Hotelier Falko Welling spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle. In unserer Serie mit der Volksbank Niederrhein erklärt er, warum es für seine Hotels aber wenig Sinn macht, alles auf die digitale Karte zu setzen.

Etwa 40.000 Übernachtungen und rund 100.000 Tagesgäste im Jahr. Die nackten Zahlen, die Hotelier Falko Welling und seine knapp 170 Mitarbeiter an den zwei Hotel-Standorten „Wellings Romantik-Hotel Zur Linde“ in Moers und „Wellings Parkhotel“ in Kamp-Lintfort bewältigen müssen, wirken auf den ersten Blick gewaltig. Doch in Zeiten der Digitalisierung lassen sich viele zeitraubende Arbeitsabläufe mit einfachen Mitteln straffen, viele logistische Klippen mit wenigen Klicks umschiffen.

Das sah im Jahr 1984, als Wellings Eltern das Romantik-Hotel in Moers-Repelen von der Stadt pachteten und mit viel Mühe und Einsatz langsam zu einer geschätzten Adresse werden ließen, noch ganz anders aus. 2009 kam das Parkhotel in Kamp-Lintfort hinzu, das kernsaniert wurde und mit dem die Wellings weiter wuchsen. Im vergangenen Jahr konnte dann mit dem „Haus der Ideen“ der Erweiterungsbau in Kamp-Lintfort ganz im neuen Zeitgeist eröffnet werden.

Kreative Lösungen waren aber schon immer gefragt, verrät der 32-jährige Falko Welling, der inzwischen die Hotels gemeinsam mit seiner Schwester Eva (31) führt. „Wir haben hier ja Standortnachteile im Vergleich mit Düsseldorf. Wir müssen uns unsere Gäste schaffen. 90 Prozent unserer Gäste kommen, weil sie zu uns möchten – und nicht, weil sie spontan eine Übernachtungsmöglichkeit brauchen.“ Um diese Gäste zu finden, werden auch digitale Hilfsmittel verwendet. „Wir nutzen vereinzelt Google Analytics für die Zielgruppenanalyse. Wer sind unsere Kunden, wo kommen sie her?“ Dabei bliebe es dann aber auch. „Den kompletten Buchungsverkehr zu analysieren, wäre dann auch zu viel des Guten“, sagt Welling.

Für ihn ist es wichtiger, breit zu denken. Den Gast auch als Menschen und nicht nur als Buchungsnummer in den Mittelpunkt zu stellen. „Wir sind keine Tagungshotels, in denen die Menschen für eine Nacht bleiben und möglichst in Ruhe gelassen werden wollen. Wir sind eher der klassische Vollbetrieb, mit Hochzeiten, A-la-Carte-Restaurant, Hotelbetrieb und natürlich auch Tagungen.“ Hinzu kommen außerhäusige Veranstaltungen, für die Welling das Catering stellt. „Bis zu 1800 Gäste können wir pro Veranstaltung versorgen.“

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Um dabei den Überblick zu behalten, wurden in den Hotels vor allem Arbeitsabläufe im Hintergrund digitalisiert. „Wir lassen unsere gesamte Post digitalisieren. Alles, was noch analog bei uns eingeht, lassen wir einscannen. Rechnungen werden in einem Portal gesammelt und sind komplett mit Stichworten durchsuchbar.“ So werden beispielsweise Warenpreise leichter nachvollziehbar und vergleichbar. „Und wir haben nicht mehr ordnerweise Rechnungen im Schrank, das macht es auch für die Mitarbeiter einfacher.“ Darüber hinaus sind sämtliche für den Hotelbetrieb notwendigen Daten in einer Cloud gesammelt. „Unsere Mitarbeiter loggen sich an Terminals nur noch in die Cloud ein und können von überall auf die benötigten Informationen zugreifen. Das spart oft viele Wege und damit Zeit“, erklärt der 32-Jährige.

Den aktuellen Trend, Mitarbeiter nahezu komplett aus Hotels zu verbannen und sämtliche Abläufe von der Buchung über den Check-in sowie die Abrechnung zu digitalisieren, erkennt Welling zwar als wegweisend an. Aber: „Das ist eine komplett andere Art der Hotellerie. Wir verkaufen ja nicht nur Zimmer, sondern hauptsächlich Atmosphäre. Das ist also eine Frage der Zielgruppe und der eigenen Ausrichtung.“

Dementsprechend sind Portale wie AirB’n’B für ihn auch keine Konkurrenz. „Viele Häuser haben damit zu kämpfen, wir aber nicht. Diese Angebote sind ja eher auf junge Leute zugeschnitten, die günstig übernachten wollen und den klassischen Hotelservice nicht brauchen.“ Also auch eine Frage der Zielgruppe.

Atmosphäre und Gefühle lassen sich schließlich noch nicht in einen Zahlencode übersetzen. Digitalisierung spielt sich in den Häusern der Wellings also auch künftig hauptsächlich nur im Hintergrund ab – dort aber mit umso höherer Priorität.

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